NRZ: Helfen, schon aus Eigennutz – ein Kommentar von JAN JESSEN

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Das Jahr 2015 wird aller Voraussicht nach als das
wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen Mitte des 19.
Jahrhunderts in die Geschichtsbücher eingehen. Das etwa alle sieben
Jahre auftretende Wetterphänomen El Niño ist diesmal besonders stark
ausgeprägt, gleichzeitig hat der weltweite Treibhausgas-Ausstoß ein
Rekordniveau erreicht. Der Klimawandel verändert die Welt immer
deutlicher. Er verstärkt Hitzeperioden, Dürren, Überflutungen,
Starkregenereignisse. Dass der Mensch seinen Anteil daran hat, dass
sich das Klima wandelt, ist längst keine Frage mehr – es geht nur
noch darum, wie der menschengemachte Einfluss so minimiert werden
kann, dass die Folgen des Klimawandels global verträglich sind. Nach
all den an nationalen beinahe oder komplett gescheiterten
Klimakonferenzen der vergangenen Jahre muss der am Montag beginnende
Weltklima-Gipfel endlich ein konkretes Ergebnis in Form eines
Weltklima-Vertrages bringen, der seinen Namen verdient. Erstens muss
der Treibhausgas-Ausstoß drastisch gesenkt werden, so sehr, dass die
globale Erwärmung abgemildert wird. Auch, wenn der Energiehunger der
Welt in den kommenden Jahren steigen wird, ist dieses Ziel
realistisch. Die USA als vormals größter Luftverschmutzer haben ihre
Treibhausgas-Emissionen bereits deutlich vermindert; die Chinesen,
die jetzt die Liste der Treibhaus-Emittenten anführen, wollen damit
2030 beginnen. Schon 160 Staaten haben ihre Klimaschutzziele
vorgelegt. Es scheint, als habe die Welt allmählich verstanden. Auch
Deutschland muss ehrgeizige Ziele in die Konferenz einspeisen. Ein –
sozialverträglicher – Ausstieg aus der Kohle in den nächsten 25
Jahren wird das Weltklima nicht drastisch verbessern; er hätte aber
Vorbildfunktion und würde zudem gewährleisten, dass Deutschland bei
der Entwicklung alternativer Energien weiter an der Spitze bleibt.
Zweitens muss in Paris dringend ein Weg gefunden werden, die Folgen
des Klimawandels in Entwicklungs- und Schwellenländern abzumildern.
Menschen dort verlieren schon jetzt ihre Arbeit und Heimat, weil
Böden austrocknen oder versalzen; weil ihr Lebensraum verödet oder
überschwemmt wird. Es drohen Konflikte um Wasser-Ressourcen. In den
kommenden Jahrzehnten werden sich Millionen auf den Weg machen, um
irgendwo anders auf der Welt eine Perspektive zu finden. Die aktuelle
Flüchtlingskrise ist nur ein Vorgeschmack auf das, was kommen wird,
wenn die reichen Länder den ärmeren nicht deutlich mehr Unterstützung
bieten. Hilfe ist deshalb nicht nur moralisch geboten. Sie ist auch
eigennützig.

Pressekontakt:
Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung
Redaktion

Telefon: 0201/8042616

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