NRZ: Jede Frau braucht ein Gesicht – ein Kommentar von CORNELIA FÄRBER

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Ist dieses schwarze oder blaue Stück Stoff – ob es
nun „Burka“ oder „Niqab“ heißt – tatsächlich die Auseinandersetzung
wert, wie sie innerhalb der CDU, aber auch quer durch unsere
Gesellschaft geführt wird? Zumal die Zahl der betroffenen Frauen in
Deutschland vergleichsweise gering ist? Ja. Unbedingt. Streiten wir
also um das „Stück Stoff“, von dem die einen meinen, es als Ausdruck
von Religionsfreiheit dulden zu müssen. Und von dem andere glauben,
es verstoße massiv gegen Frauenrechte und habe in unserer offenen
Gesellschaft nichts zu suchen. Vielleicht hilft es, den
Ganzkörperschleier einen Praxistest zu unterziehen, hier bei uns,
denn darum geht es ja. Können komplett verschleierte Frauen Auto
fahren? Im Café einen Kaffee trinken, in ein Restaurant essen gehen?
Gefahrlos in einen Bus oder die Straßenbahn einsteigen? Ihr
ausgebüxtes Kind einfangen oder ihm auf dem Spielplatz auf ein
Klettergerüst helfen? Fahrrad fahren? Sport treiben? Mit der Lehrerin
über die Fünf in Mathe des Sohnes verhandeln oder darüber, dass es
sonstwelche Probleme gibt? Einen Pass beantragen oder sich ummelden?
Einkaufen? Zum Arzt gehen? Geht das alles, mit Tunnelblick unter
schwerem Tuch, ohne sich ins Gesicht oder gar in die Augen sehen zu
können, ohne Gestik und Mimik zu nutzen und zu deuten – schlicht –
ohne zu kommunizieren? Nein. Dabei sind wir uns doch eigentlich alle
einig, dass die Integration von Flüchtlingen und Migranten vor allem
über die Sprache und das Miteinander gelingt – einander im Alltag
kennen, verstehen und annehmen lernen. Doch wer das will, der muss
geradezu zwangsläufig auch für ein Verbot des unseligen Schleiers
sein, der das alles verhindert. Im Moment scheint ein Burkaverbot
hierzulande nicht durchsetzbar. Leider. Führende Politiker (allesamt
Männer) und selbst der Bundespräsident zucken zurück vor juristischen
Konsequenzen, fürchten Probleme bei der Durchsetzung oder wollen
nicht in die populistische Ecke gedrängt werden. Doch diese
Vorbehalte sollten uns nicht davor bewahren, diese „Stück Stoff“ als
das anzusehen, was es in Wirklichkeit ist: kein religiöses Bekenntnis
nämlich, das können strenggläubige Muslima auch hier längst mit
Kopftuch und Kleiderordnung demonstrieren. Sondern ein Frauenknast
zum Mitnehmen, der seinen Ursprung hat im Steinzeit-Islamismus und
nichts weiter im Sinn, als aus Frauen gesichts-, identitäts- und
stimmlos umherhuschende Wesen zu machen.

Pressekontakt:
Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung
Redaktion

Telefon: 0201/8042616

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