NRZ: Sittengemälde Bundeswehr – ein Kommentar von MIGUEL SANCHES

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Der Versuch ist nicht strafbar, das nicht. Aber
dreist, das war Heckler & Koch, als der Waffenhersteller beim MAD
vorfühlte. Der Geheimdienst der Bundeswehr sollte nach einem Leck im
Verteidigungsministerium suchen, weil immerzu Zweifel und Klagen über
das Gewehr G36 laut wurden. Dazu gehört viel Chuzpe und viel
Betriebsblindheit, nicht zuletzt ein eklatanter Mangel an
Selbstkritik. Die Geheimdienste waren zuletzt hart in der Kritik. Zu
Recht. Beim MAD stimmten in diesem Fall aber die Instinkte. Der
MAD-Präsident hat das Ansinnen der Firma abgeblockt. Nur ist die
Geschichte damit nicht zu Ende. Zum Skandal wird sie erst mit dem
Sittengemälde, das sichtbar wird: Die Ministerialbürokratie wäre
allzu gern dem Waffenhersteller zu Diensten gewesen, um den Maulwurf
in den eigenen Reihen zu finden und die Medien mundtot zu machen.

Ressortchefin Ursula von der Leyen feuert schnell Leute.
Fehlertoleranz lebt sie bestenfalls im Kleinen vor. Im aktuellen Fall
hat sie schnell Informationen herausgerückt. Es geht um Vorgänge, die
im Kern vor ihrer Amtszeit liegen. Bloß: Stimmt es, dass ihr Büro
bereits Anfang 2014 erfahren hat, dass der MAD gegen Journalisten und
ihre Informanten in Stellung gebracht werden sollte? Und kann es
sein, dass sie nichts davon erfuhr? Dann wäre es nicht weit her mit
von der Leyens Frühwarnsystem. Damit aber steht und fällt ihr Erfolg.
Nur als Aufklärerin, als Ausmisterin mit eisernem Besen kann sie sich
für höhere Aufgaben empfehlen.

Pressekontakt:
Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung
Redaktion

Telefon: 0201/8042616

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