NRZ: Zaghaftigkeit statt Ehrgeiz – ein Kommentar von JAN JESSEN

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Trotz der schrillen Dissonanzen im europäischen
Klimaschutz-Chor war der Ausklang des Klimagipfels ein angenehm
harmonischer. Dass ein von der Kohle abhängiges Land wie Polen sich
auf das Ziel einlässt, die Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um 40
Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken, darf durchaus als Erfolg
gefeiert werden. Aber: angesichts der Gefahren des Klimawandels (zu
denen auch der wachsende Migrationsdruck auf die am stärksten
Betroffenen in den Entwicklungsländern zählt) und der Chancen der
Energiewende (mehr Unabhängigkeit von Öl aus Arabien und Gas aus
Russland) ist Europa viel zu zaghaft. Einigungen auf den kleinsten
gemeinsamen Nenner statt ehrgeiziger Klimapolitik – damit taugt man
nicht zum Vorbild. Besonders ärgerlich ist, dass die Reform des
Handels mit Verschmutzungsrechten auf die lange Bank geschoben wird;
die industriellen Lobbyisten haben hier ganze Arbeit geleistet. Der
Emissionshandel ist das einzige Instrument, das ohne große Rücksicht
auf nationale Befindlichkeiten eine Steuerungsfunktion entfaltet.
Entfalten könnte, besser gesagt: wenn die Zertifikate zu
Schleuderpreisen auf den Markt geschmissen werden, bleibt es nicht
aus, dass etwa in Deutschland weiter munter auf Kohleverstromung
gesetzt wird; nicht von ungefähr stiegen die Treibhausgas-Emissionen
des selbsternannten Klimaweltmeisters im vergangenen Jahr anstatt zu
sinken.

Pressekontakt:
Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung
Redaktion

Telefon: 0201/8042616

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