NRZ: Zäune halten die Menschen nicht auf – ein Kommentar von JAN JESSEN

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Die Welt könnte so einfach sein, ginge es nach dem
ungarischen Premier Viktor Orbán und den anderen Regierungchefs der
Visegrád-Gruppe, zu der auch Polen, Tschechien und die Slowakei
gehören. Ein rigides Grenzregime, möglichst schon an der
mazedonisch-griechischen Grenze, und schon löst sich die
Flüchtlingskrise in Wohlgefallen auf. Diese Forderung ist nicht nur
unsäglich unsolidarisch, weil Griechenland dadurch de facto aus dem
Schengenraum ausgesperrt und das ohnehin schon malträtierte Land
weiter Richtung Abgrund getrieben würde, sondern auch hanebüchener
Unsinn. Zäune halten keine Menschen auf, die vor Krieg, Hunger oder
erdrückender wirtschaftlicher Not fliehen. Und nein, auch keine
Schießbefehle. Nur ein Beispiel: Die USA versuchen die illegale
Einwanderung aus Mexiko mit einem Grenzzaun samt scharfen Kontrollen
zu verhindern. Vergeblich. Jedes Jahr quälen sich trotzdem
Hunderttausende ins Land, weil die Aussicht auf ein besseres Leben
schwerer wiegt als die Angst vor Inhaftierung oder Tod. Mit Zäunen
löst man die Flüchtlingskrise nicht. Man löst sie, indem man
Fluchtursachen bekämpft, also Kriege, Konflikte und die wachsende
wirtschaftliche Asymmetrie auf der Welt. Das ist ein langer, ein
mühevoller Weg, der in der Konsequenz bedeutet, Wohlstands-Einbußen
hinzunehmen. Kurzfristig hilft europäische Solidarität. Also das, was
Polen, Tschechen, Slowaken und Ungarn in den vergangenen Jahren
erfahren haben, als sie mit Milliarden aus europäischen Fördertöpfen
wirtschaftlich fit gemacht wurden.

Pressekontakt:
Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung
Redaktion

Telefon: 0201/8042616

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