Nur 38 Prozent der jungen Erwachsenen sorgen regelmäßig für ihr Alter vor / Zweite Jugendstudie zu Finanzen und Altersvorsorge zeigt: Die Rentenreformen haben ihre hochgesteckten Ziele verfehlt

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Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland blicken so
optimistisch wie schon lange nicht mehr in die Zukunft. Obwohl sie
die wirtschaftlichen Aussichten durchaus skeptisch einschätzen,
fürchten sie sich kaum noch vor Arbeitslosigkeit. 95 Prozent gehen
davon aus, in zehn bis fünfzehn Jahren ein gutes Leben zu führen, 91
Prozent sind sich sicher, beruflich erfolgreich zu sein. „So
optimistisch war schon lange keine junge Generation mehr“, sagt der
wissenschaftliche Leiter der Studie, Jugendforscher Klaus Hurrelmann
von der Berliner Hertie School of Governance. „Die gute
wirtschaftliche Lage ist im Bewusstsein der jungen Frauen und Männer
angekommen“. Ein Ergebnis macht ihm aber große Sorge: Nur 38 Prozent
der jungen Leute zwischen 17 und 27 Jahren sorgen regelmäßig
zusätzlich zur Gesetzlichen Rentenversicherung für ihr Alter vor.
„Die jungen Leute fühlen sich bei dieser elementaren Frage der
Zukunftssicherung überfordert, schlecht informiert und von Staat und
Politik im Stich gelassen. Damit läuft die Mehrheit von ihnen Gefahr,
im Alter arm zu sein. Besonders junge Frauen sind mit dem Risiko der
Altersarmut konfrontiert“.

Für die vom Versorgungswerk MetallRente in Auftrag gegebene Studie
hat das Sozialforschungs-institut TNS Infratest Sozialforschung – wie
schon bei der ersten Studie 2010 – im Rahmen einer telefonischen
Repräsentativbefragung bundesweit 2.500 Jugendliche und junge
Erwachsene zwischen 17 und 27 Jahren interviewt.

Heribert Karch, Geschäftsführer des Versorgungswerks MetallRente,
kommentiert die Ergebnisse der Studie: „Die Rentenreformen der
letzten Jahre haben ihre hochgesteckten Ziele bisher weitgehend
verfehlt. Das in den kommenden Jahrzehnten deutlich sinkende
Rentenniveau wird nicht in ausreichendem Maß durch zusätzliche
Vorsorge abgefangen. Alarmierend ist: Die jungen Menschen sind die
Hauptbetroffenen der Reformen. Ausgerechnet sie drohen deren große
Verlierer zu werden“.

Zur Vorsorge bereit, aber von der Sparentscheidung überfordert

Wie die Studie zeigt, sind sich die befragten Angehörigen der
jungen Generation in Deutschland mehrheitlich bewusst, dass sie etwas
für ihre Altersvorsorge tun müssen. Ihre grundsätzlich optimistische
Zukunftssicht verführt sie nicht etwa zu Sorglosigkeit, sondern geht
mit einer durchaus planerisch-rationalen (83 Prozent) und sozial
engagierten Lebenshaltung (84 Prozent) einher. „Damit“, so Klaus
Hurrelmann, „widerspricht die Studie eindeutig der vorherrschenden
öffentlichen Meinung und gängigen Klischees. Die junge Generation in
Deutschland ist zur Vorsorge bereit“.

Die Studie macht deutlich: Die jungen Leute sind auch durchaus
sparsam. 55 Prozent der Befragten sparen sogar regelmäßig und weitere
30 Prozent unregelmäßig. Das sind etwas mehr als vor drei Jahren. 89
Prozent aller befragten Jugendlichen halten grundsätzlich auch eine
zusätzliche Altersvorsorge für notwendig, um sich vor Altersarmut zu
schützen. „Es hat sich bei ihnen herumgesprochen: Nach heutigem Stand
werden sie bei Eintritt in ihren Ruhestand weniger als 40 Prozent
ihres Bruttolohnes erhalten und davon nicht leben können. Doch sie
sind sich unsicher, wie sie in Zeiten der Finanz- und Eurokrise und
unberechenbarer Zukunftschancen ihre Alterssicherung bewerkstelligen
können“, so Klaus Hurrelmann. Nur noch 63 Prozent von denen, die
aktiv sparen, legen ihr Geld für die zusätzliche Absicherung im Alter
zur Seite. Stattdessen investieren sie mehr in Ausbildung und
Studium, um sich fit zu machen für den Arbeitsmarkt. Sie sparen auch
mehr für Urlaub und Reisen. „Die Jugendlichen fühlen sich
überfordert, Geld für ein Lebensereignis zurückzulegen, das erst in
40 Jahren eintreten wird. Eine durchaus verständliche Reaktion, die
der Gesetzgeber bei der Rentenreform im Jahr 2001 nicht
berücksichtigt hat“.

Ruf nach mehr staatlicher Absicherung

Die finanziellen Kenntnisse der Jugendlichen lassen jedoch zu
wünschen übrig. Nur eine knappe Hälfte der Befragten stuft sich bei
finanziellen Themen als kompetent ein. Nur eine Minderheit traut sich
zu, Begriffe wie „betriebliche Altersvorsorge“ (38 Prozent) oder
„Riesterrente“ (31 Prozent) zu erklären. Das Verständnis dieser
Begriffe ist aber für die Ergänzungen zur Gesetzlichen
Rentenversicherung von zentraler Bedeutung. Es verwundert nicht, dass
die jungen Leute mit ihren Unsicherheiten und Zweifeln an der Rendite
kapitalgestützter Altersvorsorge nach dem Staat rufen. 82 Prozent der
Befragten trauen ihm zu, auch in Zukunft für eine gute gesetzliche
Rente zu sorgen. Von den Nicht-Sparern meinen 53 Prozent, dass für
die Altersvorsorge der Staat zuständig ist. Bei der letzten
Untersuchung waren es lediglich 42 Prozent. „Am liebsten wäre es
ihnen, wenn der Staat eine grundsätzliche Absicherung für ihre
spätere Altersversorgung garantieren würde, damit sie in Krisenzeiten
nicht alle Entscheidungen auf eigenes Risiko fällen müssen“, so
Hurrelmann.

Wie schon die erste Studie des Versorgungswerks macht die
Befragung deutlich, wie unzureichend die Finanzkompetenz der jungen
Generation ist. „Der Gesetzgeber hat jungen Menschen eine große
Verantwortung für die Zukunftsvorsorge auferlegt, aber versäumt,
ihnen das Wissen und die Kenntnisse dazu zu vermitteln“, kritisiert
Klaus Hurrelmann. Besonders verbesserungswürdig sind die Kenntnisse
junger Frauen. Sie sparen zwar mehr als die jungen Männer, aber zu
geringeren Anteilen für die Altersvorsorge. Bessere schulische
Bildung sei deshalb nach Einschätzung der Autoren dringend
erforderlich. Sie allein schütze aber nicht vor möglicherweise
gravierenden Fehlentscheidungen. Wichtig wären zum Einen,
übersichtliche und verständliche Angebote, die den Planungshorizont
von jungen Menschen und ihr Lebensgefühl berücksichtigen. Nach
Meinung der Autoren muss es aber noch weiter gehen. „Die
Überforderung der Jugendlichen muss durch bessere Rahmenbedingungen
für kollektive Prozesse in der Altersversorgung überwunden werden“,
betont Heribert Karch.

Betriebliche Altersversorgung steigt in der Gunst

Junge Menschen vertrauen neben der gesetzlichen Rente besonders
der betrieblichen Altersversorgung (bAV). Die Untersuchung hat
ergeben, dass die bAV unter Jugendlichen, die für die Altersvorsorge
sparen, seit 2010 deutlich zulegen konnte, von 31 Prozent auf 38
Prozent. In der ältesten Gruppe der Vorsorgesparer, den 25- bis
27-Jährigen, nutzen inzwischen 43 Prozent die Altersvorsorge über den
Betrieb. Die sozialpartnerschaftliche Praxis in den Unternehmen
schafft offensichtlich Vertrauen. Im Arbeitsverhältnis kann die
Notwendigkeit der Vorsorge glaubwürdig und kostengünstig vermittelt
werden. 67 Prozent der befragten Jugendlichen, die in eine
betriebliche Altersvorsorge einzahlen, erhalten bereits einen
Zuschuss von ihrem Arbeitgeber.

„Altersversorgung, die Wertschätzung und Vertrauen genießt,
verdient besondere Förderung. Die Rahmenbedingungen für diese
institutionelle Form der Altersvorsorge müssen unbedingt verbessert
werden“, so Karch. Betriebsparteien sollten darin unterstützt werden,
dass jedem Beschäftigten uneingeschränkt automatisch Zugang zur
kollektiven betrieblichen Altersversorgung ermöglicht wird. Die
Umsetzung muss Spielräume für die bestehenden unterschiedlichen
Lösungen in Unternehmen und Branchen bieten. Heribert Karch: „Die
betriebliche Altersversorgung braucht dafür endlich ein deutliches
Bekenntnis der Politik: mehr Rechtssicherheit für kollektive
Beteiligungsmodelle, mehr steuerliche Flexibilität und gerechtere
Sozialversicherungsbeiträge. Je länger politische Entscheidungsträger
die Dinge halbherzig verfolgen oder gar laufen lassen, desto größer
ist die Gefahr, dass junge Menschen sich wieder allein auf den Staat
zurückziehen und dem Reformprozess den Rücken kehren“.

Die Studie „Jugend, Vorsorge, Finanzen – von der Generation
Praktikum zur Generation Altersarmut?“ ist bei Beltz Juventa
veröffentlicht und im Buchhandel erhältlich. ISBN 978-3-7799-2881-2.
Link zum Buch mit Leseprobe: http://www.beltz.de/de/verlagsgruppe-bel
tz/gesamtprogramm/detailansicht/titel/jugend-vorsorge-finanzen.html

Pressemappe zum Download: www.metallrente.de

Das Versorgungswerk MetallRente wurde 2001 vom Arbeitgeberverband
Gesamtmetall und der IG Metall als gemeinsame Einrichtung für die
Unternehmen und die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie
ins Leben gerufen. Auf der Basis entsprechender Tarifverträge bietet
MetallRente Unternehmen und deren Beschäftigten kapitalgedeckte
Lösungen für die betriebliche Altersversorgung und Entgeltumwandlung,
die private „Riester“-Vorsorge und die Absicherung von Berufs- und
Erwerbsunfähigkeit. MetallRente steht auch nicht tarifgebundenen
Unternehmen offen. Die Branchen Holz- und Kunststoff, Textil,
Bekleidung und Stahl haben sich ebenfalls dem Versorgungswerk
angeschlossen. MetallRente ist heute das größte branchenübergreifende
industrielle Versorgungswerk der Bundesrepublik und zählt zu den
erfolgreichsten und am stärksten wachsenden Einrichtungen seiner Art.

Pressekontakt:
Kontakt: MetallRente GmbH, Presse / Öffentlichkeitsarbeit, Bettina
Theek, E-Mail: bettina.theek@metallrente.de, Tel.: 030 20 65 85 81,
Rotherstraße 7, 10245 Berlin

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