Opfer und ihre Rechte im Fokus des 25. Opferforums

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25. Opferforum des WEISSEN RINGS in Mainz Foto: WEISSER RING/Stefan Sämmer
 

Viel hat sich getan in den vergangenen 40 Jahren – es bleibt aber noch viel zu tun. Daher forderte der WEISSE RING anlässlich seines 25. Opferforums in Mainz dazu auf, auch Gewalt gegen Männer stärker als bisher in den öffentlichen Fokus zu rücken. „Das Thema ist immer noch mit einem gesellschaftlichen Tabu belegt, was viele männliche Opfer davon abhält, sich Hilfe zu holen“, sagte Roswitha Müller-Piepenkötter,
Bundesvorsitzende von Deutschlands größter Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer.

Anlässlich des Opferforums befasste sich der WEISSE RING mit einer Bestandsaufnahme und einer Weiterentwicklung der Opferrechte. „Es ist gut, dass die Rechte des Opfers im Strafverfahren und die Einwirkungsmöglichkeiten im Prozess ausgeweitet wurden“, sagte Malu Dreyer, Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz und Schirmherrin des Opferforums. Fragestellungen des Opferschutzes und eine intensive Beschäftigung mit ihnen seien von außerordentlicher Bedeutung für eine funktionierende Gesellschaft, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Ein wichtiger Partner sei der WEISSE RING auch bei der therapeutischen Nachbehandlung von Opfern.

Mittlerweile seien vier Traumaambulanzen in Rheinland-Pfalz wichtige Anlaufstellen für Opfer von Gewalttaten. „Ich danke den vielen Haupt- und Ehrenamtlichen im WEISSEN RING, die sich überall im Land für die Betroffenen und ihre Angehörigen einsetzen“, so die Ministerpräsidentin.

Auch der Politikwissenschaftler und Buchautor Dr. Martin Rupps, Festredner beim diesjährigen Opferforum, wies auf die zentrale gesellschaftliche Dimension des Themas hin: „Wer gilt überhaupt als Opfer, wie wird in Politik und Medien über sie gesprochen und geschrieben? Welche Hilfe erhalten Menschen, nachdem sie zu Opfern geworden sind?“ Dr. Martin Rupps hat unter anderem ausführlich über das Versagen des Staates im Umgang mit den Opfern der entführten Lufthansa-Maschine „Landshut“ 1977 nach Mogadischu geforscht.

Beim 25. Opferforum diskutierten die Teilnehmer im Rahmen von Workshops, Vorträgen und Gesprächsrunden intensiv über Opferrechte. Am zweiten Tag stand das Thema Männer als Opfer von Gewalt im Vordergrund. Denn falsche, aber gesellschaftlich verankerte Rollenbilder sorgen noch zu oft dafür, dass das Annehmen von Hilfsangeboten nach der Tat vom männlichen Opfer selbst oder auch von anderen als Zeichen von Schwäche gedeutet wird. Dementsprechend gering ausgeprägt ist das Problembewusstsein. 1.902 männliche Gewaltopfer wandten sich im vergangenen Jahr an den WEISSEN RING und erhielten materielle Hilfe. Demgegenüber stehen 8.851 weibliche Gewaltopfer, die vom WEISSEN RING 2015 entsprechend betreut wurden. „Dies muss sich ändern“, sagte Müller-Piepenkötter. „Sich Hilfe zu holen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke.“

Die Teilnehmer des Opferforums erarbeiteten zusammen Resolutionen, die der WEISSE RING in den politischen Prozess einbringen wird: So forderte das Opferforum unter anderem die Wiederaufnahme eines Verfahrens zuungunsten des Angeklagten, wenn neue DNA-Beweise vorgelegt und bei der Aufklärung einer Straftat helfen können. Darüber hinaus forderten die Teilnehmer die bundesweit flächendeckende Einrichtung von Traumaambulanzen sowie eine Ausbildung in Traumatherapie zum essenziellen Bestandteil des Berufsweges von Psychotherapeuten zu machen. Zum Thema Männer als Opfer von Gewalt stellte das Opferforum die Forderung, auch dieser Opfergruppe schnellstmöglich und flächendeckend Hilfsangebote zur Verfügung zu stellen. Aufklärung und Forschung zum Thema seien ebenfalls dringend geboten. „Der WEISSE RING wird die Impulse aufnehmen, um die Interessen der Opfer noch besser zu vertreten“, betonte Roswitha Müller-Piepenkötter. Die Resolutionen des Opferforums sind in Kürze über die Website des WEISSEN RINGS einsehbar.

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