Ostsee-Zeitung: Kommentar zu Thüringen/Ramelow

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Freilich wäre Ramelows Wahl nicht das Ende der
Demokratie. Der Untergang des christlichen Abendlandes wäre ebenfalls
nicht zu befürchten. Schon deshalb nicht, weil es sich bei dem
geschmeidigen Hessen um einen praktizierenden Christen handelt. Der
einstige Gewerkschaftsfunktionär aus dem Westen, der 1990 in den
Osten ging, taugt nicht als Adresse für Protest gegen das SED-Regime.
Dass er es mit ehemaligen Mitarbeitern des DDR-Geheimdienstes in
seiner Fraktion nicht so genau nimmt, ist schon eher kritikwürdig.
Für die Links-Partei, die sich bundespolitisch 25 Jahre lang als
Fundamental-Opposition gerierte, wäre der Chefposten in Thüringen
zweifellos eine enorme Aufwertung. Nach den Gastspielen als
Juniorpartner in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und nun in
Brandenburg bekäme die Linke selbst das Zepter in die Hand. Das
könnte wiederum auf die Bundesebene 2017 ausstrahlen, was allerdings
von SPD wie Grünen heftig abgestritten wird. Dennoch, will SPD-Chef
Sigmar Gabriel wirklich Kanzler werden, dann wäre er nach Lage der
Dinge auch auf die ungeliebten Linken angewiesen. Gleichwohl muss man
anerkennen, dass sich die Linke auf dem Boden der Verfassung bewegt,
von einigen linkssektiererischen Kreisen abgesehen. In der
Kommunalpolitik spielen Linke eine pragmatische Rolle. Nach der
zerrütteten schwarz-roten Koalition in Thüringen hat Ramelow einen
Neuanfang versprochen. Man wird seine Regierung – wenn sie zustande
kommt – an ihren Taten, nicht an ihren vollmundigen Versprechen
messen müssen.

Pressekontakt:
Ostsee-Zeitung
Jan-Peter Schröder
Telefon: +49 (0381) 365-439
jan-peter.schroeder@ostsee-zeitung.de

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