Ostthüringer Zeitung: Jörg Riebartsch kommentiert: Deutschland in Unordnung

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Unordnung – das können wir Deutsche gar nicht haben.
Reglementierungen, Planungen, Verlässlichkeit – das ist unsere Welt.
Wir erwarten pünktlich morgens um Halbsechs die Zeitung im
Briefkasten, kennen den Kalender der Müllabfuhr. Nie fällt der Strom
aus und wir wissen, dass bei der ersten Schneeflocke jemand kommt,
der sie wegfeudelt. Und nun das: Flüchtlinge kommen und niemand weiß,
wie viel, wann sie kommen und wo man sie unterbringen kann. Plötzlich
haben wir selbst mit unserer Zuverlässigkeit, die uns die Welt
neidet, ein Problem. Wir können Sie nicht mehr leisten, schaffen es
noch nicht einmal, alle Anträge zum Asylverfahren zu bearbeiten.
Unbearbeitete Anträge in Deutschland – das ist schlimm. Aber dass man
noch nicht mal weiß, wie viel Anträge unbearbeitet sind, ist geradezu
ein Schock für die deutsche Seele.

Entsprechend verunsichert reagieren Volk und Politik,
zwiegespalten. Die Einen flüchten sich in Demonstrationen, die keine
offenen Fragen beantworten, sehen sich in die rechte Ecke gedrängt,
die natürlich versucht diffuse Ängste vor Zuwanderern für ihre Zwecke
zu missbrauchen. Die Anderen spielen die Demütigen, die auf Knien am
liebsten jeden Flüchtling persönlich willkommen heißen. In Gera
musste jetzt sogar nach Jahrzehnten die DDR-Skulptur „Heilkraft und
Heilkunst“ vor einem alten Krankenhaus weichen, weil dort ab Montag
Flüchtlinge einziehen. Man will deren Empfindungen nicht stören. Die
Figuren der Skulptur sind nämlich nackt.

In diesem Stil darf es nicht weitergehen. Das Land ist
zweigeteilt. Nur, wer ist konsensorientiert in der Lage, hier für
Ausgleich zu sorgen, den deutschen Weg in der Frage der Aufnahme von
Asylanten zu entwickeln? Einen Weg, den – wenn schon nicht alle,
wenigstens die meisten Deutschen mitgehen können. Die Ordnung wieder
herzustellen gehört dazu. Aber auch, dass polare Blöcke aufeinander
zu gehen. In Thüringen hieße dies beispielsweise, Linke und AfD.
Daran wird momentan niemand glauben. Das zeigt, wie schwierig die
Aufgabe ist, Konsens beim Asyl zu finden.

Pressekontakt:
Ostthüringer Zeitung
Redaktion Ostthüringer Zeitung
Telefon: +49 365 77 33 11 13
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