Ostthüringer Zeitung: Wolfgang Schütze kommentiert: Falsch konstruiert

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Bei der nächstbesten Gelegenheit werden Politiker
sich wieder mal zum Stand der deutschen Einheit äußern. Man ahnt es
dunkel, was sie aus der Schublade ziehen. Zum Beispiel, dass die
Wirtschaftskraft im Osten des Landes bei weitem nicht die Werte des
Westens erreicht. Ja, warum wohl?

Über die Frage, wie viel Einfluss der Staat auf die Wirtschaft
nehmen muss, nehmen darf, kann lang und breit gestritten werden. Das
freie Spiel der Kräfte hat manche Vorteile, aber manchmal regelt der
Markt die Geschäfte des Lebens auf eine Weise, die nicht alle
profitieren lässt. Siehe die Energiepreise. Die sind im Osten
Deutschlands insgesamt höher als in Westdeutschland. Und 25 Jahre
nach der Wiedervereinigung sollen die Kritiker dieses nachteiligen
Zustandes immer noch mit den hohen Investitionen in die Infrastruktur
besänftigt werden. Von Abschreibungen ist hingegen nur selten was zu
hören.

Dass private Energiefirmen sehen, was sie kriegen können, ist
sozusagen das Geschäftsmodell. Wenn sich allerdings auch die
bundeseigene Bodenverwertungsgesellschaft so gebärdet, als müsste
sie das Gebaren von Konzernen noch übertreffen, ist sie falsch
konstruiert. Denn das Geld, das die BVVG mit Äckern, Wald und Wiesen
erzielt, fließt zwar in die Staatskassen und nützt damit allen.
Jedoch wird der Effekt konterkariert, wenn die Preise so hoch sind,
dass sie die allgemeine Entwicklung der Landwirtschaft im östlichen
Landesteil behindern.

Pressekontakt:
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Redaktion Ostthüringer Zeitung
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