Ostthüringer Zeitung: Wolfgang Schütze kommentiert: Wichtigeres als Denkmale

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Wie es aussieht, bekommt Berlin nun zunächst kein
neues Denkmal, das an die deutsche Wiedervereinigung erinnert. Warum
soll es den Bundeshauptstädtern auch anders ergehen als den
Leipzigern. In der so genannten Heldenstadt war schon 2014 ein
ähnliches Vorhaben auf Eis gelegt worden. Die Gründe in beiden
Städten sind ähnlich: An endlos scheinende Streitereien, ob überhaupt
so ein Denkmal nötig sei, schlossen sich ebenso zähe
Auseinandersetzungen über Entwürfe an. Und schließlich – wie so oft,
wenn etwas gebaut werden soll – explodierten die Kosten. In Berlin
ist jetzt von bis zu 15 Millionen Euro für eine begehbare Wippe die
Rede. Selbst wenn der Architekt die Summe für absichtsvoll
hochgerechnet hält, stellt sich die Frage nach Aufwand und Nutzen.
Gerade in Berlin, das mit dem Brandenburger Tor doch das
Deutsche-Einheits-Denkmal schlechthin besitzt, wie SPD-Abgeordnete
Eva Högl erinnerte. Die Idee mit der Wippe ist zweifellos hübsch: Es
müssten sich nur genügend Leute auf der einen Seite versammeln –
Motto: Wir sind das Volk! – um einen mächtigen goldschillernden
Koloss a la SED-Staat in Bewegung zu setzen oder „in der Luft
verhungern zu lassen“, wie Kinder dieses Spiel nennen. Einige
Oberbedenkenträger der Politik machen sich nun ernsthaft Sorgen, wie
denn der Stopp des Bauvorhabens zu bewerten sei, ob denn da nicht der
Bundestag, der den Bau 2007 beschloss, oder mindestens die
Kulturstaatssekretärin Niederlagen erlitten hätten. Mag sein, aber es
gibt Schlimmeres im Leben. Und das Scheitern einer schönen
Denkmal-Idee bedeutet ja auch nicht, dass nun die ganze schöne
deutsche Einheit gekippt worden wäre. Da ist vieles auf gutem Weg und
manches noch längst nicht fertig. Zum Beispiel die Hilfe für
wirkliche Opfer der SED und der DDR. Sie sind das lebendige Denkmal
an Unrecht, Willkür und freiheitsfeindliches Gebaren des ersten und
hoffentlich letzten sozialistischen Staates auf deutschem Boden.
Bessert denen die lausige Entschädigung auf, das ist wichtiger.

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