Pendlerzeitung „20 Minuten“ testet im Juni Deutschland

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In kleinen Ländern erfolgreich, doch in Deutschland?
Das will „20 Minuten“ genau wissen. Im Juni testet die Schweizer
Gratiszeitung in einer geschlossenen Gruppe den deutschen Markt. Nur
online. Das verriet Marcel Kohler, Mitglied der
Tamedia-Unternehmensleitung, heute beim European Newspaper Congress
im Wiener Rathaus. In der Schweiz hievte sich „20 Minuten“ zur
größten Tageszeitung, gedruckt und online. Kohlers Betriebscredo:
„Die Herstellung von Print und Online muss konvergent sein,
zusammenlaufen. Wird in beide Redaktionen investiert, werden aus
Printverlierern digitale Gewinner.“ Deutschland wird nach Luxenburg
und Dänemark der dritte Auslandsmarkt der Schweizer.

Der gemeinsame Erfolg von Print und Online war der New York Times
eine umfassende Studie wert. Andrew Phelps und Adam Ellick
präsentierten die Ergebnisse den 500 Medienleuten, die aus vielen
Ländern Europas zum Newspaper Congress gekommen waren: „Bereits mehr
als die Hälft unseres Publikums ist mobil, es bewegt sich noch
schneller als unser geschäftliches Umfeld.“ Die NYT hat ein
Bezahlmodell, und das brauche Qualität: „Auf der untersten Sprosse
gibt es viele, aber wenig hohe Qualitätsprodukte. Deshalb forciert
die NYT guten Journalismus.“

Mit Teams, in denen alle Bereiche des Medienhauses vertreten sind,
vor allem auch Analytiker, wird bei den NYT daran gearbeitet, „dass
die Geschichten die Leser finden. Früher ging es nur um das
Titelblatt. Jetzt geht es darum, wie man die Daten optimiert.“ Seit
die NYT auf dem Vierquadratzentimeter-Schirm der Apple-Watch
erscheint, müssen die Geschichten auf einen Satz konzentriert werden:
„Kurz und knackig“, sagt Phelps. Dass die Menschen ausschließlich
einfache und kurze Geschichten mögen, sei dennoch ein Mythos: „Gut
müssen sie sein und dann beim Leser ankommen, wenn diese eine lange
Geschichte lesen wollen“. Die meisten Einkünfte kommen bei den NYT
über Werbung und Abos, heuer will die NYT bei den mobilen Anwendungen
auf eine Million Abos kommen.

Dass der bisherige Blick auf die üblichen Kennzahlen wenig bringt,
zeigte Andrè Hellmann. „Kennzahlen sind nur dann sinnvoll, wenn die
Ziele exakt definiert werden: Etwa Traffic oder Einstiege.“ Er ist
überzeugt, dass der Markt gedeckelt sei und nur der gewinne, „der die
Zeit der Leute am besten investiert“. Der mobile Traffic beträgt in
Deutschland etwa 40 Prozent, und er sei von wenigen großen Medien
besetzt. Wie auch in den USA sei der Rückgang bei den Zugriffen auf
die Webseiten enorm.

Ständig und immer wieder Verbessern: Heiko Scherer von der
Berliner Digital-Agentur Clapp fand dafür das Wort: „Constant Beta“.
„Noch immer wird die Bedeutung mobiler Endgeräte unterschätzt – der
Endnutzer gewinnt an Macht“, sagt Scherer. Die Herausforderung liege
in der Entwicklung immer neuer Produkte für unterschiedliche Geräte.“
Früher habe Technologie das Medium definiert, heute würden wir mit
dem Crossmedia-Trend leben. Die Entwicklung gehe dazu über, dass
eigene Unternehmen entstehen, die die neuen Probleme in den
Medienhäusern in den Griff bekommen.

Kongress-Mitveranstalter Nobert Küpper setzt den Kongress mit
einer Übersicht der Zeitungstrends fort.

Der European Newspaper Congress wird vom Medienfachverlag Johann
Oberauer gemeinsam mit Norbert Küpper, Zeitungsdesigner in
Deutschland, veranstaltet. Kooperationspartner wie die Stadt Wien,
Austria Tabak/JTI und die OMV unterstützen maßgeblich die
Veranstaltung.

Das komplette Programm und Anmeldung: www.newspaper-congress.eu

Pressekontakt:
Johann Oberauer, Tel. 0043 664 2216643

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