Pflege in Brandenburg blutet aus / Politik hat keine wirksamen Rezepte gegen Abwanderung von Pflegekräften

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„Wenn mehrere tausend Pflegefachkräfte aus
Brandenburg jeden Tag in benachbarte Bundesländer pendeln, dann
müssten bei der Politik eigentlich alle Alarmglocken schrillen.
Stattdessen erklärt das zuständige Ministerium, wir hätten in
Brandenburg tolle Beschäftigungschancen“, stellt die brandenburgische
Landesvorsitzende des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer
Dienste e.V. (bpa) Ellen Fährmann fest. Eine von den
Wirtschaftsförderungen der Länder Berlin und Brandenburg in Auftrag
gegebene Studie hatte kürzlich gezeigt, dass allein mehr als 2.700
Pflegefachkräfte täglich nach Berlin pendeln.

Gesundheitsministerin Diana Golze hatte nach Bekanntwerden der
Zahlen zwar einen Fachkräftebedarf im Gesundheitswesen eingeräumt,
dann aber erklärt, dies bringe „hervorragende Beschäftigungschancen“
für Fachkräfte im Gesundheitswesen mit sich. „Unbesetzte
Fachkraftstellen sind in der Tat eine Beschäftigungschance und es ist
ein toller und sehr interessanter Beruf, wie auch die erheblich
steigenden Ausbildungszahlen in der Altenpflege zeigen. Aber das
Fehlen von Fachkräften in Brandenburg und deren Pendeln nach Berlin
ohne Analyse der Gründe dafür, warum es nicht gelingt, die
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Land zu halten, ist schon eine
sehr eigenwillige Lesart“, wundert sich die bpa-Landesvorsitzende.

Die bpa-Mitgliedsunternehmen in der ambulanten und stationären
Pflege versuchten eindrucksvoll, mit zusätzlichen Angeboten und
Unterstützungen ihre Fachkräfte in Brandenburg zu halten, berichtet
Fährmann. „Die Politik hingegen hat offensichtlich keinerlei Rezepte
gegen die Abwanderung.“ Dabei liege eine Lösung auf der Hand: „In
kaum einem Bundesland werden die Leistungen gerade in der ambulanten
Pflege so schlecht vergütet wie bei uns in Brandenburg. Würden die
Kranken- und Pflegekassen konkrete pflegerische Tätigkeiten wie die
Blutzuckermessung oder einen Verbandswechsel so bezahlen wie in
anderen Bundesländern um uns herum, dann könnten die Pflegedienste
und Einrichtungen hier auch deutlich höhere Gehälter zahlen.“ Das
würde Brandenburg als Arbeitsort für Pflegefachkräfte attraktiver
machen. Bisher werden solche Forderungen aber von den Kostenträgern
vehement zurückgewiesen.

„Einen Katheter zu versorgen, erfordert in Brandenburg genau so
viel Zeit und Fachwissen wie in anderen Bundesländern. Deshalb ist es
unverständlich, dass diese Leistung den Krankenkassen in Brandenburg
weniger Wert ist als anderswo“, unterstreicht Fährmann. „Die
Vergütungen zum Beispiel an die Preise in Berlin anzugleichen ist der
entscheidende Weg, die alltägliche Abwanderung der dringend
benötigten Fachkräfte zu stoppen.“

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa)
bildet mit mehr als 8.500 aktiven Mitgliedseinrichtungen (davon über
250 in Brandenburg) die größte Interessenvertretung privater Anbieter
sozialer Dienstleistungen in Deutschland. Einrichtungen der
ambulanten und (teil-) stationären Pflege, der Behindertenhilfe und
der Kinder- und Jugendhilfe in privater Trägerschaft sind im bpa
organisiert. Die Mitglieder des bpa tragen die Verantwortung für rund
260.000 Arbeitsplätze und circa 20.000 Ausbildungsplätze (siehe
www.youngpropflege.de oder auch www.facebook.com/Youngpropflege). Das
investierte Kapital liegt bei etwa 20,6 Milliarden Euro.

Pressekontakt:
Für Rückfragen: Sabrina Weiss, Landesreferentin Brandenburg, Tel.
030/338 47 52 50, www.bpa.de

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