Redaktionsnetzwerk Deutschland: Aktivistin Domscheit-Berg warnt vor einer verengten Debatteüber sexualisierte Gewalt

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In Hinblick auf die aktuelle Debatte um
sexualisierte Gewalt gegen Frauen warnt die Publizistin Anke
Domscheit-Berg davor, das Problem ausschließlich bei Männern mit
Migrationshintergrund zu verorten. „Wenn wir das tun, blenden wir die
99 Prozent des Problems aus, in denen deutsche Männer Frauen Gewalt
antun“, schrieb Domscheit-Berg in einem Meinungsbeitrag für das
RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), dem rund 30 Tageszeitungen
angehören. Für Opfer spiele es keine Rolle, welche Hautfarbe,
Herkunft oder Religion ein Angreifer habe. Massenübergriffe durch
rund 1000 Männer vorwiegend arabischer und nordafrikanischer Herkunft
in der Silvesternacht vor dem Kölner Hauptbahnhof hatten die Debatte
entfacht. Obwohl jede zweite Frau in der EU bereits sexuelle
Belästigung erfahren habe, würden entsprechende Vergehen von den
Opfern viel zu selten angezeigt. „Ein Grund dafür ist der
Spießrutenlauf, den Frauen oft durchlaufen. Die Standardvorwürfe: Die
Tat sei frei erfunden, die Frau sei irgendwie selbst schuld“, schrieb
die einstige brandenburgische Landesvorsitzende der Piraten-Partei
weiter. In Deutschland wird die jährliche Dunkelziffer bei
Vergewaltigungen auf rund 160 000 Fälle geschätzt. Ein weiteres
Problem sei das deutsche Rechtssystem, das sexuelle Übergriffe nicht
mit hinreichender Schärfe ahnde: „Einer Frau unter den Rock zu
greifen oder ihre Brüste zu begrapschen, ist kein Straftatbestand.
Dies kann höchstens als ,sexuelle Beleidigung– interpretiert werden,
aber solche Verfahren werden oft eingestellt“, kritisierte
Domscheit-Berg und forderte eine Verschärfung des Sexualstrafrechts.
Es könne nicht sein, dass lediglich Übergriffe, bei denen rohe Gewalt
angewendet oder angedroht würden, strafrechtlich relevant seien. In
Deutschland heiße es sogar „Freispruch, wenn ein als gewalttätig
bekannter Täter eine schreiende Minderjährige vergewaltigt, weil die
Tür nicht verschlossen war und sie ja hätte wegrennen können“. Schon
ein gesprochenes ,Nein– müsse auch Nein bedeuten. Einen vergangene
Woche von Justizminister Heiko Maas (SPD) vorgestellten Entwurf für
eine Strafrechtsreform, wonach sexuelle Belästigung künftig als
eigenständiger Straftatbestand behandelt werden sollen, begrüßte
Domscheit-Berg und forderte darüber hinaus ein Klima, „in dem man den
Frauen endlich Glauben schenkt“. So könne ein veränderter
gesellschaftlicher Konsens die Dunkelziffern verringern, mehr
Straftaten ans Tageslicht bringen und ein reformiertes Strafrecht für
mehr Verurteilungen sorgen.

Pressekontakt:
Redaktionsnetzwerk Deutschland
Dirk Schmaler
Telefon: 0511 / 54 53 80 88
dirk.schmaler@rnd-news.de

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