Redekultur: Warnung vor „Abklatsch von Dagewesenem“

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Der Verband der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) hat in Bonn sein 15-jähriges Bestehen gefeiert. In seinem Vortrag „Mit Worten auf Stimmenfang“ skizzierte der frühere Regierungssprecher Klaus Vater die Entwicklung der politischen Rede unter dem Einfluss neuer Medien und Mediengewohnheiten. Die Rede werde „emotionalisiert, personalisiert und skandalisiert“. Durch die Reduzierung auf einzelne Ausschnitte könnten Medien und Nutzer „aus einer guten Rede etwas Nichtssagendes machen.“

Mit seiner Kritik richtete sich Vater, der unter anderem Redenschreiber von Walter Riester und Ulla Schmidt war, nicht nur an Fernsehen und Online-Medien. Auch die heutige Struktur politischer Arbeit schade der Rede. „Früher hatten sich Abgeordnete tagelang auf eine Rede vorbereitet, heute halten sie sie nebenbei zwischen vielen anderen Terminen.“ Viele Reden würden zu einem „Abklatsch von Dagewesenem“.

Insgesamt sei die politische Kommunikation auch durch Social Media Kanäle schneller geworden. Kommuniziert würden allenfalls Schnipsel und nur selten zusammenhängende Reden. Viele Mitglieder des VRdS, die in Bonn zusammenkamen, bestätigten die Beobachtungen. Die Rede sei nach wie vor das zentrale Instrument politischer Kommunikation. Was in die Öffentlichkeit gelangt, sei aber oft aus dem Zusammenhang gerissen und gebe kein korrektes Bild wieder.

Insgesamt habe sich aber auch die deutsche Redekultur in den 15 Jahren „leider nicht wahrnehmbar verbessert“, so der Gründer des VRdS und heutige Ehrenpräsident, Thilo von Trotha. In der Debatte um Rede und Redekultur habe sich der Verband aber als Institution etabliert. VRdS-Präsident Vazik Bazil bestätigte, dass viele Redner die von Medien, Öffentlichkeit und Redenschreibern gleichermaßen geforderte Klarheit oft meiden. Andererseits orientierten sich Gesellschaft, Politik und Medien immer weniger an einer schriftlichen Sprachkultur, dafür immer stärker am Trend zum Mündlichen. Vazrik Bazil: „Das kommt unserer Zunft zugute.“

Auf ihrer Versammlung haben sich die VRdS-Mitglieder einmal mehr gegen unzulässiges akademisches Ghostwriting ausgesprochen. Immer häufiger würden Redenschreiber um Hilfe beim Abfassen von Dissertationen und anderen wissenschaftlichen Arbeiten gebeten. Im Laufe des Jahres sollen dazu in Anlehnung an die Promotionsordnungen Richtlinien für alle Redenschreiber entwickelt werden.

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