Reporter ohne Grenzen: Türkischer Minister muss Material herausgeben

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Reporter ohne Grenzen verurteilt die Konfiszierung
von Videomaterial der Deutschen Welle durch die Türkei aufs Schärfste
und fordert die Regierung in Ankara auf, das Material umgehend
herauszugeben. Am Montagabend hatte der türkische Minister für Jugend
und Sport, Akif Cagatay Kilic, nach der Aufzeichnung eines
TV-Interviews mit DW-Moderator Michel Friedman das Videomaterial
konfiszieren lassen.

„Wie die türkische Regierung sich gegenüber den Journalisten der
Deutschen Welle verhalten hat, ist eines Staates, der sich selbst als
Demokratie bezeichnet, in höchstem Maße unwürdig“, sagte
ROG-Geschäftsführer Christian Mihr in Berlin. „Dass ein Minister
aufgezeichnetes Interview-Material nicht herausgibt, weil ihm die
Fragen der Journalisten offensichtlich zu kritisch waren, ist eine
harsche Form der Zensur und macht die Geringschätzung der türkischen
Regierung für die Pressefreiheit einmal mehr deutlich.“

Das Interview hatte Friedman für die DW-Sendung Conflict Zone
geführt. Wie die Deutsche Welle mitteilte, verabschiedete sich der
Minister unmittelbar nach dem Interview von Friedman. Als der
Minister den Raum verlassen hatte, habe der Pressesprecher
mitgeteilt, dass die DW das Interview nicht senden dürfe. Nach
Protesten von Friedman und seiner Redaktionskollegin sei das
Videomaterial konfisziert worden.

Seit der Niederschlagung des Militärputsches gehen die türkischen
Behörden verstärkt gegen unabhängige Medien und Journalisten vor, um
diese mundtot zu machen. Gegen mehr als 90 Medienschaffende wurden
Haftbefehle erlassen, einige Journalisten sitzen bereits im
Gefängnis. Mindestens 45 Fernseh- und Radiosendern wurde die Lizenz
entzogen.

Die Zahl der Anfragen an das Nothilfe-Referat von Reporter ohne
Grenzen steigt seit dem Putsch am 15. Juli konstant. Türkische
Journalisten und deren Angehörige wenden sich mit der Bitte um
Unterstützung an Reporter ohne Grenzen. Die meisten Fälle muss die
Organisation aus Sicherheitsgründen diskret behandeln, einige
Journalisten sind bereits in den Untergrund abgetaucht.

Auf der jährlichen Rangliste der Pressefreiheit von ROG steht die
Türkei auf Platz 151 von 180 Staaten.

Weitere Informationen über die Lage von Journalisten in der Türkei
finden Sie unter reporter-ohne-grenzen.de/türkei

Pressekontakt:
Reporter ohne Grenzen
Ulrike Gruska / Christoph Dreyer
presse@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de/presse
T: +49 (0)30 609 895 33-55
F: +49 (0)30 202 15 10-29

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