Reporterin Margrit Sprecher: Schreiben geht nur von 8 bis 11

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Die Schweizer Journalistin Margit
Sprecher (79) empfindet das Schreiben als große Mühe und pflegt
deshalb ihre Rituale. An Schreibtagen steht die vielfach
ausgezeichnete Reporterin um 7.45 Uhr auf, trinkt sechs Tassen Kaffee
und schreibt in der Regel von acht bis elf Uhr durch. „Dann
kollabieren die Synapsen, ich bin ausgeschrieben“, erzählt Sprecher
im „medium magazin“-Interview von Stephan Seiler. Frische Ideen kämen
ihr dann wieder beim Sport, insbesondere beim Schwimmen, sagt die in
Zürich lebende Reporterin, die für die „Neue Züricher Zeitung“,
„Weltwoche“, aber auch „Geo“ und „Die Zeit“ arbeitet.

Über vier Jahrzehnte prägte sie die Schweizer Art, Geschichten zu
erzählen. Sprecher wurde berühmt für Reportagen wie die über einen
Todesstrafe-Kandidaten in Texas oder die Suche eines Dorfes nach
einem Feuerteufel, für den sie den Egon-Erwin-Kisch-Preis erhielt.
Sie schreibt in der Regel 14 Tage an einem Text, lässt ihn danach
„abhängen wie ein Stück Fleisch am Haken“, um ihn selbst zu
redigieren.

Anders als das Schreiben funktioniere das Recherchieren wie von
alleine. Das erste Aufeinandertreffen mit ihren Protagonisten ist
dabei das Entscheidende für die Reporterin. „Ich behaupte, dass sich
in der ersten Stunde einer Begegnung alles abspielt. Das, was folgt,
ist nur Ergänzung.“ Von Forderungen nach Objektivität hält sie
nichts: „Eine Reportage ist immer ein subjektiver, willkürlich
gewählter, freilich präzis geschilderter Ausschnitt eines Geschehens.
Das macht ihren Charme aus. Will der Leser mehr wissen, kann er sich
ein Sachbuch besorgen.“

Zwischen dem deutschen und schweizerischen Schreibstil sieht sie
deutliche Unterschiede: „Deutsche Reportagen sind viel stärker
gegliedert und gehen härter ran“, meint Sprecher. Zugleich kritisiert
sie das um sich greifende „Ich“ des Erzählers in Reportagen: „Ein
guter Reporter nimmt die Story wichtiger als sich selbst. Gerade in
deutschsprachigen Texte über Flüchtlinge oder aus Kriegsgebieten habe
ich das Gefühl, dass es oft andersrum ist. Der Reporter ist der
größte Held, das ist der Tod jeder Reportage.“

Das Interview ist Teil 14 der Serie „Große Reporter“ von Stephan
Seiler, die in jedem Heft erscheint. „medium magazin“ ist als ePaper
sofort verfügbar oder als Printausgabe zu bestellen unter
http://tinyurl.com/mediummagazin-1-2016.

Pressekontakt:
Annette Milz, Chefredakteurin „medium magazin“,
redaktion@mediummagazin.de

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