Rheinische Post: Albig: Das Kanzleramt ist nicht das erste Ziel der SPD

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Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident
Torsten Albig (SPD) hält einen sozialdemokratischen Kanzler 2017 für
unrealistisch. „Erstes Ziel muss eine Regierungsbeteiligung sein,
nicht eine Fixierung auf das Kanzleramt“, sagte Albig der in
Düsseldorf erscheinenden Rheinischen Post (Samstagausgabe): „Wer
jetzt lang und breit über den SPD-Kanzler philosophiert, macht sich
doch unglaubwürdig.“ Die erste Devise für die Sozialdemokraten müsse
lauten: „Keine Regierung ohne die SPD. Das wäre ein guter Erfolg.
Alles andere ergibt sich dann.“ Eine rot-rot-grüne Koalition lehnt
Albig allerdings ab: „Derzeit würde es ja bei Weitem nicht für dieses
Dreierbündnis reichen. Und ehrlich gesagt passt das inhaltlich auch
nicht wirklich.“ Seine Partei wolle mit Inhalten punkten: „Wir gehen
nicht in einen Beauty-Contest mit der Kanzlerin. Es werden Parteien
gewählt, keine Personen.“ Die SPD habe alle Wahlversprechen
umgesetzt, „und Sigmar Gabriel macht einen ausgezeichneten Job“.

Das Interview im Original:

Herr Albig, in der Türkei gilt der Ausnahmezustand. Muss sich die
SPD von ihrem Traum verabschieden, die Türkei könne EU-Mitglied sein?
Albig Die Politik des Regimes Erdogan widerspricht zentral den Werten
europäischer Demokratien. Aber Erdogan ist nicht die Türkei. Es gibt
auch noch andere Stimmen in der Türkei als die des jetzigen
Präsidenten. Stimmen, die für einen anderen Weg der Türkei werben.
Sie sagten 2015, Angela Merkel mache ihren Job ausgezeichnet. Gilt
das noch? Albig Ja, sie wird ihrer Verantwortung als Bundeskanzlerin
in schwerer Zeit gerecht. Auch weil sie mit der SPD einen starken und
verlässlichen Partner an der Seite hat, der das Land voranbringt. Sie
wäre froh, wenn auch ihr zweiter Partner so zuverlässig wäre. Nur mal
zur Erinnerung: Trotz aller Aufregung haben wir die
Flüchtlings-Herausforderung alles in allem gut gemeistert. Ohne
Aufstände. Ohne Verwerfungen. Ohne Notsituationen. Zeigen Sie mir
eine andere Volkswirtschaft, die dies so geleistet hat. Die SPD
profitiert in Umfragen kaum. Ist die Regierungsbeteiligung 2017 nicht
das ehrliche Wahlziel? Albig Was sollte an diesem Ziel denn falsch
sein? Die SPD will doch den Kanzler stellen. Albig Unser erstes Ziel
muss sein, dass keine Regierung in Berlin ohne die SPD gebildet
werden kann. Das wäre ein guter Erfolg! Einige schwärmen von der
Machtoption Rot-Rot-Grün. Albig Zählen Sie mal durch. Derzeit würde
es ja bei Weitem nicht für dieses Dreierbündnis reichen. Und ehrlich
gesagt, passt das inhaltlich auch nicht wirklich. Also spielt die SPD
auf Platz, nicht auf Sieg. Das haben Sie vor einem Jahr auch gesagt
und damit mächtig Wirbel ausgelöst. Sie nehmen Ihre Aussagen nicht
zurück? Albig Eine Regierung ohne uns ist schlecht für unser Land.
Das müssen wir den Menschen deutlich machen. Erstes Ziel muss deshalb
eine Regierungsbeteiligung sein, nicht eine Fixierung auf das
Kanzleramt. Wer jetzt lang und breit über den SPD-Kanzler
philosophiert, macht sich doch unglaubwürdig. Noch mal – unser erstes
Ziel muss sein: Keine Regierung ohne die SPD. Alles andere ergibt
sich dann. Und im Augenblick kann man den Eindruck haben, dass die
Union sich so gar nicht sicher ist, ob Frau Merkel überhaupt die
gewollte Kanzlerkandidatin für 2017 ist. Es bleibt also spannend.
Wenn ein Politiker schlechte Persönlichkeitswettbewerbe hat, ist das
dann ein relevantes Auswahlkriterium für einen Kanzlerkandidaten?
Albig Wenn die Person alleine wichtig wäre, schon. Aber wir gehen
eben nicht in einen Beauty-Contest mit der Kanzlerin. Es werden
Parteien gewählt, keine Personen. Wir werden um Inhalte werben, in
der Sozial-, Renten-, Arbeitsmarkt- oder Finanzpolitik. Und Sigmar
Gabriel macht einen ausgezeichneten Job. Wir haben alle unsere
Wahlversprechen umgesetzt in einer für uns schwierigen Zeit. Es ist
wichtiger, die SPD in die Regierungsverantwortung zu führen, als im
Geiste schon das Büro der Kanzlerin für eine Neumöblierung
auszumessen. Ist für Sie die Frage der Kanzlerkandidatur entschieden?
Albig Also, ich werd–s nicht (lacht).

Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2621

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