Rheinische Post: Der Sonntag ist nicht mehr heilig Kommentar Von Michael Bröcker

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Ökonomisierung des Alltags oder nur
nachvollziehbares Verbraucherbedürfnis? Der Kulturkampf um den
verkaufsoffenen Sonntag geht auch zehn Jahre nach dem Wegfall des
Ladenschlussgesetzes weiter. Seit 2006 sind die Länder für die
Regelung zuständig, und es wird munter vor Ort weitergerungen.
Rot-Grün in NRW erlaubt an vier Sonn- und Feiertagen die zusätzliche
Ladenöffnung. Anlass müssen besondere Feste, Märkte oder Messen sein.
Das Oberverwaltungsgericht Münster hat nun klargemacht, dass es sich
wirklich um einen bedeutenden Anlass handeln muss. Ein nettes
Kinderfest gehört nicht dazu. Ein wegweisendes Urteil. Es ist
richtig, den durchsichtigen Versuchen der Wirtschaft und des Handels,
den Sonntag schrittweise zum Werktag umzuetikettieren, einen Riegel
vorzuschieben. Sonst wird bald jeder Straßenflohmarkt zum
Stadtereignis deklariert. Für Konsum und Kommerz ist in dieser
Gesellschaft ausreichend Platz. Der Sonntag ist doch längst nicht
mehr heilig. Aber für viele trotzdem noch Ruhetag. Familientag. Auch
Kirchentag. Es ist also mehr als ein frommer Wunsch, dass die Bürger
sonntags zur Ruhe kommen können (dürfen). In Artikel 140 des
Grundgesetzes kann man dies auch nachlesen.

Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2621

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