Rheinische Post: Eine Schande für die Europäische Union Kommentar Von Martin Kessler

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In der Präambel zum Vertrag über die
Europäische Union bekennen sich alle Mitgliedsstaaten zur Achtung der
Menschenrechte und berufen sich auf das humanistische Erbe Europas.
Was derzeit im Mittelmeer passiert, ausgelöst durch verbrecherische
Schlepperbanden und zynische Diktatoren, aber auch unter den Augen
der EU-Verantwortlichen, hat damit nichts, aber auch gar nichts mehr
zu tun. Fast wöchentlich ertrinken Hunderte von Menschen, ohne dass
die EU wirksam eingreift. Die neun Millionen Euro monatlich für die
früher so erfolgreiche Rettungsaktion „Mare Nostrum“ waren ihr zu
teuer, zehn Mitgliedsstaaten nehmen so gut wie keine Flüchtlinge auf,
Länder wie Italien werden mit den Problemen allein gelassen. Es ist
eine Schande für die Europäische Union, wenn die reichste Region der
Welt so tatenlos dem Massensterben zusieht. Es ist richtig: Wir
können nicht Millionen von Flüchtlingen aufnehmen, die weltweit
unterwegs sind. Es muss weiter Abschiebungen geben. Aber wir können
die Menschen nicht ertrinken lassen. Es ist daher auch der Appell an
uns alle, menschlich zu sein, auch wenn wir ein gewisses Unbehagen
angesichts der gewaltigen Wanderungswelle empfinden.

Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2621

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