Rheinische Post: Einzelhandel: Mehr Verkaufsfläche, längere Öffnungszeiten, weniger Personal

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Der Einzelhandel in Deutschland stellt an seine
Beschäftigten immer höhere Anforderungen. Zwischen 1994 und 2014 sind
die Verkaufsflächen größer, die Öffnungszeiten länger und die Umsätze
höher geworden – die Stundenzahl des Personals aber ist im gleichen
Zeitraum gesunken, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine
kleine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht, die der in Düsseldorf
erscheinenden „Rheinischen Post“ (Freitagausgabe) vorliegt. Das
Arbeitsvolumen der Angestellten im Einzelhandel ist von 4,6
Milliarden Stunden im Jahr 1994 auf 4,1 Milliarden Stunden 2014
gesunken. Der Trend geht zu immer mehr Teilzeit und geringfügiger
Beschäftigung. So ist auch die Wochenarbeitszeit von früher im
Durchschnitt 33 Stunden auf heute 26,5 Stunden gesunken. Die Löhne
im Einzelhandel sind niedrig, wie auch aus der Antwort der
Bundesregierung hervorgeht. So lag der Brutto-Stundenlohn 2014 im
Einzelhandel bei 15,70 Euro, während er im produzierenden Gewerbe und
im Dienstleistungsbereich bei 20,71 Euro lag. Der Anteil der
Beschäftigten mit Tarifvertrag ist den Angaben der Bundesregierung
zufolge seit der Jahrtausendwende kontinuierlich gesunken. 1999
verfügten im Westen noch 83 Prozent der Beschäftigten im Einzelhandel
über einen tariflich gebundenen Arbeitsvertrag. Im Osten waren es 38
Prozent. Im Jahr 2014 arbeiteten nur noch38 Prozent der Beschäftigten
im Westen und 19 Prozent im Osten mit einem Branchentarifvertrag.

Die Linken kritisieren die Arbeitsbedingungen im Einzelhandel
scharf: „Wachstum im Einzelhandel geschieht auf dem Rücken der
Belegschaften“, sagte Jutta Krellmann, gewerkschaftspolitische
Sprecherin der Linksfraktion der Redaktion. „Steigende Umsätze, mehr
Verkaufsflächen und verlängerte Öffnungszeiten bei gleichzeitig
kontinuierlich sinkendem Arbeitsvolumen sind ein deutliches Zeichen
für permanente Unterbesetzung und Dauerstress der Beschäftigten im
Handel.“ Krellmann sprach von einer „Abart der Deregulierung“, die
dazu führe, dass „sich unter den reichsten Deutschen seit Jahren
mehrere Einzelhändler befinden“.

Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2621

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