Rheinische Post: Europa, wache auf Kommentar Von Reinhold Michels

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Haben wir einen „Abgrund von Landesverrat“ im
Land? Wohl nicht. Was wir haben, ist eine leicht erregbare Opposition
im Bundestag. Es sind Wonnen der Empörung, in denen sie schäumend
badet, sobald die Stichwörter NSA, BND, Kanzleramt fallen. Wir haben
es wohl mit einem Exzess in Hilfsbereitschaft unseres nie
überschätzten Auslands-Spähdienstes gegenüber der großen
US-Geheimdienstschwester zu tun, die man nie unterschätzen darf im
Willen, das Wort Recht notfalls ganz klein zu schreiben. Der Drang
der NSA, mit Hilfe des BND nicht nur Terroristen aufzuspüren, sondern
auch Wirtschaftsspionage in Europa zu betreiben, war dem Kanzleramt
seit 2008 bekannt. Das klang vor kurzem anders. So haben wir Deutsche
uns Kanzler Schröders gewagtes Bekenntnis zur „uneingeschränkten
Solidarität“ mit den USA nach dem „11. September“ nicht vorgestellt.
Europa muss endlich laufen lernen, seine Streitkräfte und Dienste
stärken. Dann erst wird es der im Prinzip befreundeten Weltmacht
selbstbewusst und nicht allzu gutgläubig assistieren können.

Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2621

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