Rheinische Post: Kommentar / Athens Geldgeber haben bessere Karten = Von Birgit Marschall

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Wer pokert, sollte immer genau wissen, wann er
sein Blatt überschätzt. Er sollte dann aussteigen. Griechenlands
Premier Tsipras glaubt, dass sich Europa den Grexit nicht leisten
will. Für ihn selbst aber wäre er viel schlimmer: Sein Land stürzte
ins Chaos, denn geordnete Abläufe nach einem Währungsunfall in einem
Land, dessen Verwaltung schon in normalen Zeiten überfordert ist,
sind unrealistisch. So verlöre Tsipras auch seine Macht. Auch Europa
hat sicher viel zu verlieren. Griechenland könnte sich Russland oder
China zuwenden, die griechischen EU-Außengrenzen würden unsicherer
und von noch mehr Flüchtlingen gestürmt, die Finanzmärkte würden die
Ansteckungsgefahr für Portugal, Spanien oder sogar Italien zumindest
testen. Erstmals würde ein Mitglied die als unwiderrufbar geltende
Währungsunion verlassen: ein unangenehmes Signal der Schwäche. Doch
am Ende wäre der Grexit für Europa wirtschaftlich verkraftbar: Am
kleinen Griechenland wird der Euro nicht zerbrechen. Noch bleibt
Merkels Kurs der Kompromisssuche zwar richtig, aber nicht um jeden
Preis. Der Kompromiss muss unbedingt die Handschrift der Geldgeber
tragen, denn sie haben die besseren Karten.

Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2621

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