Rheinische Post: Kommentar / Der hohe Preis für eine historische Idee = Von Antje Höning

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Eigentlich hätten die Regierungschefs ihren
Gipfel absagen müssen. Wieder hatte Athen eine Reformliste zu spät
eingereicht. Wieder reicht sie nicht aus. Doch aufgeheizt, wie die
Stimmung ist, hätte eine Absage Schocks an den Börsen erzeugt. So
geht das griechische Drama in eine neue Runde, weil die halbstarke
Regierung Tsipras genau weiß, dass Merkel – die Geschichtsbücher im
Blick, Russland und die USA im Nacken – das Land nicht pleite gehen
lassen wird. Europa zahlt einen hohen Preis für die Rettung einer
historischen Idee. Umso enttäuschender ist es, dass die Präsidenten
von fünf EU-Institutionen gestern einen so mutlosen Reformplan für
die nächsten zehn Jahre vorgelegt haben. Ihr Motiv ist zwar
ehrenwert, sie wollen verhindern, dass sich Griechenland wiederholt.
Doch ihre Vorschläge sparen die nötige Insolvenzordnung für Staaten
aus. Und sie entmachten just jene Staaten, die für eine solide
Währungsunion stehen: Weder wollen deutsche Sparer für italienische
Banken haften, noch wollen sich solide Regierungen von einem
spendablen europäischen Finanzminister den Kurs diktieren lassen. Die
akute Griechen-Krise wird sich bis Ende Juni entscheiden, das
grundsätzliche Problem der Euro-Zone bleibt weiter ungelöst.

Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2621

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