Rheinische Post: Kommentar / Der Papst und die Polen = Von Martin Kessler

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Der Papst besucht das katholischste Land der
Erde. Das sieht nach einem Heimspiel für den obersten Repräsentanten
der römischen Kirche aus. Das ist es aber nicht. Denn die Polen
misstrauen dem katholischen Oberhaupt. Papst Franziskus geht für
polnische Verhältnisse viel zu stark mit der eigenen Kirche ins
Gericht. Seine Kritik an Würdenträgern und übertriebener
Prachtentfaltung verstört die Gläubigen an Weichsel und Warthe. Für
die Polen war die Kirche das Bollwerk gegen den Kommunismus. Die
starre Hierarchie und die rigiden Regeln nahmen sie klaglos hin. Auch
in der Flüchtlingsfrage sind Papst und Polen über Kreuz. Denn
Franziskus mahnt zur Aufnahme der Fremden, selbst wenn sie muslimisch
sind, während die Polen sich lieber abschotten. So sehr unsere
Nachbarn mit ihrem religiös beeinflussten Freiheitskampf die Welt
beeindruckt haben, die Zeiten haben sich gewandelt. Franziskus hat
die Tür für eine moderne Kirche aufgetan, die sich auf ihre
ursprünglichen Ziele wie Nächstenliebe und Barmherzigkeit besinnt.
Die Polen sollten ihm folgen.

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