Rheinische Post: Kommentar / Die Flüchtlingskrise ist kaum zu verwalten = Von Thomas Reisener

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Kaum ein Land unterstützt die Kommunen bei der
Versorgung von Flüchtlingen mehr als NRW. Die Pauschale von 10.000
Euro pro Flüchtling und Jahr, die das Land ab 2016 an sie überweist,
kann sich sehen lassen. Das Problem ist die Umsetzung. In Wahrheit
weiß das Land gar nicht, wie viele Flüchtlinge in welcher Kommune
leben. Nicht aus Schlamperei oder bösem Willen, sondern weil die
Behörden von der Flüchtlingswelle buchstäblich überrannt worden sind.
2010 kamen 50.000 nach Deutschland. 2015 schon eine Million. Auf so
dramatische Entwicklungen kann man nicht vorbereitet sein. Die
Strukturen, solche Massen verwalten zu können, müssen erst aufgebaut
werden. Müssen. Denn wir schulden den Flüchtlingen unsere Hilfe. Aber
was die Politik besser machen kann: Sie sollte ihre Unwissenheit
zugeben. Um handlungsfähig zu wirken, kommuniziert sie laufend
Hochrechnungen, die sie dann selbst mit Planungssicherheit
verwechselt. In Wahrheit weiß aber niemand, wie viele Flüchtlinge
noch kommen, wie lange sie bleiben, und wo genau sie eigentlich
wohnen. Der Flüchtlingsstrom ist unkalkulierbar. Politiker, die das
zugeben, sind nicht überfordert, sondern ehrlich.

Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2621

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