Rheinische Post: Kommentar / Die neue Gängelei in der Plastiktüten-Politik = Von Gregor Mayntz

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Ständig neue Gängelei ist einer freien
Gesellschaft unwürdig. Warum mit dem Gesetz drohen, wenn binnen
weniger Monate schon 65 Prozent aller Plastiktüten nicht mehr gratis
abgegeben werden? Die restlichen bis zum 80-Prozent-Ziel wird der
Handel auch noch schaffen. So weit der generelle Blick auf die neuen
Zahlungspflichten an der Ladenkasse. Doch das Problem ist diffiziler.
Denn selbst der Vorsatz klimafreundlichen Verhaltens an der
Ladenkasse, ausgedrückt durch den mitgebrachten Stoffbeutel oder die
wiederverwendete Alt-Tüte, stößt in der realen Einkaufswelt an
Grenzen. Die Brötchen aus dem Shop müssen der Hygiene wegen genauso
in die Einmal-Tüte wie Äpfel, Birnen und Tomaten, bevor sie aufs Band
kommen. Papiertüten, wie sie sich beim Bäcker und Gemüsehändler
bewährt haben, erschweren die Kontrolle an der Discounter-Kasse.
Natürlich kann der Verbraucher nur dort kaufen, von wo er ohne
Plastik mit seinen Lebensmitteln nach Hause kommt. Aber das dürfte
die große Masse nicht überzeugen. Damit Natur und Umwelt überleben,
sind neue Lösungen gefragt, etwa das vergängliche Plastik – und bis
dahin notfalls auch etwas Gängelei. Aber differenziert und mit
Augenmaß.

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