Rheinische Post: Kommentar: Die Routine des Terrors

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Die Trauer nach dem Terror ist ernüchternd.
Wieder gedenken wir der Opfer von Mördern, die den Tod dorthin
tragen, wo das Leben blüht. In die Musikhallen, vor die Cafés und
Shopping-Zentren, auf belebte Marktplätze. Wieder posten wir
Solidaritätsadressen im Netz, appellieren an die Kraft der Vielen,
die dem Hass der Wenigen überlegen ist. Wir lassen uns unseren
Lebensstil nicht nehmen. Natürlich nicht. Wir lassen uns nicht gegen
Muslime aufhetzen, weil wir sie nicht mit radikalen Islamisten
gleichsetzen. Die Blutspur des Islamismus trifft weltweit ja vor
allem Muslime, an Europas Tatorten waren Staatsbürger Dutzender
Nationen betroffen. Soll Nationalismus die Antwort sein? Nein, der
Kulturkampf fällt aus. Können wir trotzdem reagieren? Irgendwie in
die Offensive kommen? Wie viele Terroranschläge braucht es, um in
Routine zu erstarren? Die „Jetzt erst recht“-Botschaften sind so
gefährlich, weil die Angst vor der Machtlosigkeit steigt. Gerade in
freien Gesellschaften, wo die Bewohner mehr zu verlieren haben.
Theresa May hat es gesagt: „Genug ist genug.“ Der Kampf gegen den
Terror muss Erfolge bringen. Viele Terroristen wuchsen im Westen auf,
wurden hier geboren, suchten ihr Heil in einem kruden religiösen
Dogmatismus, den sie als Heimat identifizieren. Weil sie in Europa
nie heimisch wurden. Verfehlte Integrationspolitik. Die
Perspektivlosigkeit in Stadtteilen im Ruhrgebiet, im Pariser
Speckgürtel oder in belgischen Mittelstädten ist die Saat für Terror.
Der Islamismus gedeiht in Parallelgesellschaften, weil dort die
Vorzüge der saturierten, bürgerlichen Welt – Bildung, Job,
Anerkennung – unerreichbar scheinen. Massive Bildungsinvestitionen,
flankiert von klaren Erwartungen an die Zuwanderer, müssen die
Antwort sein. Aber wir müssen auch über die Religion reden, in deren
Namen so viele zu Mördern werden. Islamischer Staat, Boko Haram,
Taliban – alle berufen sich auf den Islam. Warum können sie das?
Liberale Muslime müssen schärfer als bisher gegen diese Extremisten
vorgehen. Es reicht nicht zu sagen, die Islamisten seien falsche
Muslime, würden den Koran falsch auslegen. Der Kampf gegen die
Ungläubigen ist ein Leitmotiv im puritanisch-wahhabitischen Islam,
etwa in Saudi-Arabien. Er ist kein Hirngespinst. Muslimische Eltern
müssen sich ihren Kindern entgegenstellen, wenn sich diese
IS-Propagandafürsten näher fühlen als ihrem Realschul- oder
Gymnasiallehrer. Und der Staat muss stärker werden, Gefährder
intensiver überwachen, die Daumenschrauben anziehen, wenn
Fundamentalismus gepredigt, gelehrt oder beworben wird. Nur zusammen
gewinnen wir diesen Kampf.

Pressekontakt:
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