Rheinische Post: Kommentar / Gesellschaft ohne Besinnung = Von Lothar Schröder

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Die Empörung über die zunehmend gefährdete
Sonntagsruhe ist eine Exklusiv-Debatte: ausgefochten von Vertretern
der christlichen Kirchen und Gewerkschaften mit Vertretern des
Einzelhandels und der Landesregierung. Die Menschen aber scheinen
längst entschieden und mit den Füßen abgestimmt zu haben. Sind doch
die Einkaufszentren an diesen Tagen überfüllt, während sich in den
Kirchen nicht einmal mehr zehn Prozent aller Gläubigen versammeln. In
den 1950er Jahren war es noch jeder Zweite. Das zu beklagen, fällt
wie stets leicht; dies zu ändern, erscheint nahezu aussichtslos. Weil
der Gesellschaft die Einsicht abhandengekommen ist, einen Tag auch
der Besinnung zu brauchen. Wie oft haben wir in der
Flüchtlingsdebatte über unsere abendländische Identität und unsere
kulturellen Wurzeln nachgedacht. Eine davon liegt im Tag des Herrn,
an dem wir uns der Auferstehung Jesu erinnern. Das entspricht
offenkundig aber nicht mehr unseren Konsumgewohnheiten. Wie banal ist
das – und wie beschämend. „Du sollst den Feiertag heiligen!“, lautet
das dritte der zehn Gebote. Aber es steht ja weiterhin jedem frei, es
zu befolgen – Sonntag für Sonntag. Auch das ist eine frohe Botschaft.

Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2621

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