Rheinische Post: Kommentar / Hartz IV ist persönlich = Von Birgit Marschall

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Es ist demütigend, wenn man zum Job-Center
gehen muss, um sein zu geringes Lohneinkommen durch ergänzende Hilfe
vom Staat aufzustocken. Etwa eine Million Menschen sind davon
betroffen. Ob jemand Hartz-IV-Aufstocker ist, ist jedoch nicht
unbedingt eine Frage der Qualifikation: Mehrheitlich trifft es sogar
gut Ausgebildete. Daraus jedoch zu schließen, dass die Branchenlöhne
oder der Mindestlohn angehoben werden müssten, um die Zahl der
Aufstocker zu verringern, ist ein Fehlschluss. Die Einführung des
Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde hat vielen, die vorher weniger
verdient haben, einen stattlichen Sprung nach oben gebracht – doch
die Zahl der Aufstocker sank trotzdem nur um lächerliche 50.000. Sie
wird auch bei einem Mindestlohn von zehn oder elf Euro kaum
nennenswert sinken. Denn die Frage, ob jemand aufstocken muss, hängt
weniger von der Entlohnung als vom persönlichen und kulturellen
Umfeld ab: Alleinerziehende können meist nur Teilzeit arbeiten und
sind auf ergänzende Hilfe angewiesen. Größere Familien, in denen nur
der Vater arbeiten kann, ebenso.

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Rheinische Post
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