Rheinische Post: Kommentar / Hemmschwelle sinkt = Von Jörg Isringhaus

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Wenn ein Polizist auf der Wache einen Menschen
erschießt, werden sofort Zweifel laut und Fragen gestellt. Zu Recht.
Scheint eine derartige Ultima Ratio doch grob fahrlässig, wenn ein
Mensch erstmal in Gewahrsam genommen ist. Im Oberhausener Fall sieht
die Sache jedoch anders aus. Dort haben die Beamten geschossen, weil
sie offensichtlich keinen anderen Ausweg mehr gesehen haben, weitere
Angriffe des Messerstechers abzuwenden. Dass der Täter eine Waffe bei
sich hatte, konnten sie nicht wissen; der Mann befand sich außerhalb
der Sicherheitsschleuse. Allenfalls könnte man ihnen vorwerfen, einen
verhaltensauffälligen Mann nicht vorab auf Waffen kontrolliert zu
haben. Zu denken geben sollte einem die Tatsache, dass der Mann ein
Messer dabei hatte. Und dass er unmotiviert und brutal davon Gebrauch
machte. Polizisten beklagen seit langem, dass die Hemmschwelle für
Gewalt generell, auch gegen Uniformierte, gesunken ist. Der
Oberhausener Fall ist damit Ausdruck eines gesellschaftlichen
Problems: Nicht mal mehr auf einer Polizeiwache kann man sich sicher
fühlen.

Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2621

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