Rheinische Post: Kommentar / Lautes Gedenken = Von Michael Bröcker

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Der stille Besuch von Papst Franziskus an dem
Ort des Bösen ist in seiner Wirkung dröhnend laut. Der Schmerz
erwacht durch die Bilder. Und dass in Auschwitz die Sprache wie an
kaum einem anderen Ort versagt, hatte schon der sonst so wortmächtige
deutsche Papst Benedikt XVI. im Jahr 2006 vor seinem Besuch auf dem
Gelände des früheren Konzentrationslagers gesagt. Deshalb ist der
Verzicht auf eine Ansprache auch kein Verstecken, sondern ein Zeichen
des Respekts und des ehrlichen Gedenkens. Die Botschaft ist: Das
Vergangene ist nie vergangen und die katholische Kirche, zu der
Mitwisser und Mittäter im Nazi-Reich gehörten, ist sich ihrer
Verantwortung bewusst. Sie verneigt sich in Demut vor dem Judentum.
Das Schweigen von Auschwitz ist das Schreien zu Gott. Die
Theodizee-Frage. Wie konnte Gott so etwas zulassen? Viele haben sich
nach dem Holocaust, dem Zivilisationsbruch, von Gott abgewendet. Eine
Papst-Rede stellt dies nicht wieder her. Der Schrei zu Gott muss
deshalb ein ewiger Aufschrei an uns selbst sein: Mensch, bleib
Mensch!

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