Rheinische Post: Kommentar / Letztes Angebot für Athen = Von Antje Höning

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Im literarischen Drama gibt es vor dem Finale
ein retardierendes Moment. Das ist jener Akt, in dem alle Akteure
einen letzten Aufschub bekommen, bevor das Unheil seinen Lauf nimmt.
In diese Phase kommt nun der Schuldenstreit. Mit dem Angebot,
Griechenland weitere fünf Monate und neue Hilfsmilliarden frei zu
geben, kommen die internationalen Geldgeber Athen weit entgegen. Das
zeigt, dass der Währungsfonds, den der halbstarke Minister Varoufakis
jüngst noch als kriminelle Organisation verhöhnte, wie kaum ein
anderer am Erhalt der Währungsunion mit Hellas interessiert ist. Zwar
ist klar, dass ein Aufschub am strukturellen Problem nichts ändert,
so lange Athen keine Reformen startet. Klar ist aber auch, dass
Griechenland nicht pleite gehen darf, so lange es keine
Insolvenzordnung für Euro-Staaten gibt. Alle Basta-Politiker, die nun
auf den Tisch hauen wollen, sollten sich an die Lehman-Pleite
erinnern. Die verunsicherte 2008 die Welt so stark, dass deutsche
Konzerne, die nichts mit Lehman zu tun hatten, binnen Tagen alle
Aufträge verloren. Es ist nun an Athen, das großzügige Angebot
anzunehmen.

Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2621

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