Rheinische Post: Kommentar: Olympia zur Unzeit

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Die zweite Hälfte der Olympischen Spiele hat
begonnen, traditionell die Zeit der Leichtathleten und höchste Zeit
für angemessene Stimmung in den Stadien. Bislang feiert Rio nur dann
eine Party, wenn es Brasilianer bejubeln darf. Darüber hinaus
bestimmen leere Ränge und vornehme Zurückhaltung das Bild. Ganz
anders als bei der Fußball-WM vor zwei Jahren. Da hatte das halbe
Land zwar vorher lautstark gegen Geldverschwendung, das krasse
Missverhältnis zwischen sehr reich und ziemlich arm und gegen den
korrupten Staat protestiert. Dann aber schloss es eine Art
ungeschriebenen Friedensvertrag und machte das Turnier in der
Nationalsportart zu einem Erlebnis für alle Beteiligten. Vielleicht
schlummerte in diesem Fest ein Rest von Hoffnung auf Reformen und
bessere Zeiten. Diese Hoffnung hat sich zerschlagen. Zwei Jahre nach
der großen Feier wirkt Brasilien müde, niedergeschlagen, tief
enttäuscht. Olympia kommt zur Unzeit, die Menschen haben buchstäblich
andere Sorgen. Das wird auch die zweite Olympia-Woche zeigen.

Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2621

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