Rheinische Post: Kommentar: Russland und Katar sind nicht WM-würdig

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Südafrika war ein guter Gastgeber der
Weltmeisterschaft 2010. Trotzdem spricht vieles dafür, dass
hochrangige Fifa-Funktionäre bei der Vergabe kräftig abkassiert
haben. Die WM hat der afrikanische Staat höchstwahrscheinlich dank
der Bestechungsgelder bekommen. Das gilt nicht so eindeutig bei den
Vergaben an Russland und Katar. Die Schweizer Bundesanwaltschaft
ermittelt zwar kräftig wegen Korruption, aber hat noch nicht einmal
Beschuldigte genannt, geschweige denn ihre Verhaftung betrieben.
Insofern würde einem Entzug der WM für beide Länder die
Rechtsgrundlage fehlen. Man mag über das Vergabeverfahren denken, was
man will. Es gibt verbindliche Verträge, klare Regularien und
eindeutige Beschlüsse. Es wäre ein glatter Rechtsverstoß und
Vertragsbruch, den beiden Ländern auf Grundlage vager
Verdachtsmomente die WM wegzunehmen. Anders ist die politische
Dimension. Sowohl Russ- land wie auch Katar erfüllen nicht die
rechtsstaatlichen und sozialen Kriterien, die die Fifa an WM-Länder
anlegt. Russland hat mit dem Einmarsch in die Krim das Völkerrecht
gebrochen und verletzt noch immer die territoriale Integrität der
Ukraine durch eigene Kämpfer im Osten des Landes. Katar hält die
ausländischen Bauarbeiter zur Errichtung der Stadien fast wie Sklaven
und hält einfachste Arbeitsschutzbestimmungen nicht ein. Dafür hat
der UN- Sonderberichterstatter für die Rechte der Migranten dem
Wüstenstaat schon öffentlich eine Missbilligung ausgesprochen.
ussland und Katar sind deshalb ungeachtet der verbindlichen Verträge
keine würdigen Partner zur Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft.
Beide Staaten halten elemen- tare Grundrechte nicht ein. Ein Boykott
des Turniers durch westliche Mannschaften hätte durchaus eine
berechtigte Grundlage. Wäre die Fifa in einer besseren Verfassung, so
könnte sie zumindest mit dem Entzug der Vergabe drohen, weil beide
Länder gegen die Statuten des Weltfußballverbands verstoßen. Doch die
Debatte darüber kommt zu spät und hat nichts mit dem Rücktritt von
Fifa-Präsident Blatter zu tun. Es wäre unglaubwürdig, Russland und
Katar zum jetzigen Zeitpunkt das Turnier zu entziehen. Das hätte
früher passieren müssen. Die beiden Län- der werden wohl die
Weltmeisterschaft ausrichten, wenn nicht klar nachgewiesen werden
kann, dass bei der Vergabe fundamental das Recht gebrochen wurde.
Danach sieht es gegenwärtig nicht aus. Auch aus politischen Gründen
wird man zumindest Russland nicht noch weiter isolieren wollen. Dem
Ruf des Fußballs aber haben beide Länder schwer geschadet.

Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2621

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