Rheinische Post: Kommentar / Staat hat Atom-Mitschuld = Von Thomas Reisener

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Ja, die Energiekonzerne haben die Energiewende
verpennt. RWE hat dabei noch etwas tiefer geschlafen als Eon. Aber es
gibt mildernde Umstände. Kaum eine Branche war je so sehr Spielball
der Politik: Erst wird die Atomenergie vom deutschen Staat massiv
unterstützt, dann leitet Ex-Kanzler Schröder den Atomausstieg ein.
Nachfolgerin Merkel organisiert 2010 faktisch den Wiedereinstieg, um
2011 doch wieder den Ausstieg zu wollen. Auch bei ihrer Aufgabe, ein
sicheres Endlager zu finden, hat die Politik bis heute versagt. Sie
hat also Mitschuld an der desolaten Lage der Atomkonzerne. Deshalb
muss der Staat einen Teil der Spätfolgen schultern. Jenseits der
Moral gibt es auch einen pragmatischen Grund, RWE und Eon jetzt nicht
ertrinken zu lassen. Beiden geht es schlecht. Neue Risiken in
unkalkulierbarer Höhe über die vereinbarten
Atom-Abwicklungs-Milliarden hinaus könnten sie ruinieren. Die
Atomkraft abwickeln und zusätzlich zwei Energieriesen – das wäre zu
viel auf einmal. So kritikwürdig beide Konzerne auch sind:
Wahrscheinlich gelingt die Energiewende mit Eon und RWE besser als
ohne.

Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2621

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