Rheinische Post: Kommentar / Tsipras– erstaunliche Kehrtwende = Von Martin Kessler

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Es bleibt das Geheimnis des griechischen
Premierministers Alexis Tsipras, warum er fast genau jene Punkte als
griechische Reformliste vorschlägt, die sein Wahlvolk gerade vor
einer Woche abgelehnt hat. Man mag das als zynische Politik ansehen,
um bei den Gläubigern bessere Bedingungen herauszuholen. Die völlig
ramponierte Glaubwürdigkeit der Griechen stellt er damit nicht gerade
wieder her. In der Substanz ist einiges vorhanden, über das es sich
lohnt zu verhandeln. Zwar überwiegen die Steuererhöhungen, die nicht
gerade dazu angetan sind, das Land aus der Krise zu führen. Aber
Tsipras lenkt auch bei den bislang so umstrittenen Renten ein. Das
Eintrittsalter soll schrittweise auf 67 steigen, sogar die Beihilfen
für kleine Renten sollen entfallen. Trotz aller politischen Ranküne
ist damit eine Grundlage für weitere Verhandlungen gegeben. Dabei
müssen die Geberländer strikt kontrollieren, ob Athen seine Zusagen
einhält. Denn es geht um ein neues Rettungspaket und um eine weitere
Streckung der Schuld. Man fragt sich aber, ob das nicht mit weniger
Theaterdonner erreichbar gewesen wäre. Immerhin müssen nicht nur die
griechischen Bürger weiter um ihr Geld zittern.

Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2621

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