Rheinische Post: Kommentar: Tsipras muss nur die Nerven behalten

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Noch sieht es aus wie ein Spiel der
gegenseitigen Erpressungsversuche: das kleine Griechenland gegen die
geballte Macht der Euro-Partner und des IWF. Doch Athen ist längst
auf gutem Weg, trotz dieses ungleichen Kräfteverhältnisses den
Geldgebern mehr Zugeständnisse abzuringen als sie anderen
Rettungskandidaten gewährt haben. Nach dem Spitzentreffen im
Kanzleramt sieht es jetzt ganz danach aus, als werde Griechenland auf
jeden Fall im Euro gehalten – auch um den Preis der Regelaufweichung.
Die Kanzlerin musste zwischen zwei Übeln abwägen: Schuld zu sein am
Euro-Abschied Griechenlands mit allen teuren sozialen Folgen und für
die Stabilität des Euro – oder „nur“ Schuld daran zu sein, die von
ihr selbst formulierte Doktrin „Hilfe nur gegen Gegenleistung“
aufzuweichen. Dass sie sich für Letzteres entschied, ist
nachvollziehbar, aber riskant. Merkel wird größte Mühe haben, ihre
Lösung in den eigenen kritischen Reihen durchzubringen. Und
Griechenland wird Nachahmer erzeugen. Auch das kann die Euro-Zone auf
Dauer weiter destabilisieren. Der griechische Premier weiß schon
lange: Griechenland wird neue Kredite bekommen, Athen muss nur bis
zum Ende des Spiels die Nerven behalten.

Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2621

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