Rheinische Post: Kommentar / „Tugçe“-Urteil richtig = Von Reinhold Michels

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Ein Blick ins Gesetz erleichtert bekanntlich
die Rechtsfindung. Mit Blick auf das angemessen erscheinende Urteil
im Todesfall der Studentin Tugçe. kann man resümieren: Erst der
sorgfältige Blick des Gerichts auf die Tatnacht-Umstände im November
2014 in Offenbach erhellt den wahren Sachverhalt. Dieser war zunächst
schnell, reißerisch und verzerrt einer fix urteilenden, nach
Sensationsluft schnappenden Öffentlichkeit zum geistigen Fast Food in
den Napf geworfen worden. Hier der tumbe Totschläger Sanel M., dort
die kluge und besonnene Tugçe, ein Engel mit Zivilcourage – das
stimmte so nicht. Selbst der Bundespräsident war darauf reingefallen.
In jener für Tugçe und ihre Angehörigen so furchtbaren Nacht beim
Schnellimbiss trafen zwei leicht erregbare, mit verbalem Unflat nicht
geizende junge Menschen aufeinander. Wohl wahr: Wer schlägt, hat
immer Unrecht. Geschlagen hat Sanel. Töten wollte er Tugçe nicht. Er
ist, erkennbar an diversen Vorstrafen, ein Früchtchen. Eine
Strafaussetzung zur Bewährung wäre das falsche Sanktions- und
Erziehungsmittel gewesen.

Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2621

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