Rheinische Post: Kommentar / Volkskrankheit Krebs = Von Wolfram Goertz

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Es ist der Augenblick, den Ärzte fürchten: Wenn
sie einem Menschen sagen müssen, dass er an Krebs leidet. Aber es
kann über den ersten Schock hinaus ein Gespräch werden, das positiv
auf die Zukunft blickt. Bei manchen Krebsarten werden die Therapien
besser; selbst bei bestimmten Lungenkarzinomen keimt Hoffnung. Immer
mehr versteht die Medizin von den Masken und Mutationen des Krebses;
Ärzte durchschauen, wie sich seine Zellen vervielfältigen, wie sie
reisen, wo sie schlafen. Wir sollten nicht denken, Krebs ausrotten zu
können. Aber die Spanne zwischen Diagnose und Tod wird nicht selten
immer größer. Moderne Krebstherapie gewinnt für die Patienten mehr
als nur Zeit. Sie schenkt ihnen – etwa durch die Palliativmedizin –
Lebensqualität, sogar in den Wochen des nahenden Todes. Den
Niederlagen der Medizin stehen hoffnungsvolle Siege gegenüber. Sie
sind mehr als Strohhalme, an die Betroffene sich klammern können. In
der Medizin gibt es erkennbare Signale, dass die „Diagnose Krebs“ –
so der Titel unserer neuen Serie – nicht zwingend auch ein
Todesurteil ist.

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