Rheinische Post: Mut zur nervigen Kirche Kommentar Von Frank Vollmer

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Kirche ist cool – das war eine Titelschlagzeile
des Magazins, das täglich auf dem Kirchentag produziert wird. Trotz
der Hitze in Stuttgart stimmt das offenbar: Mehr als ein Drittel der
Besucher war unter 30. Wer meint, die Kirche habe das Rennen um die
jungen Leute eh verloren, war noch nie auf einem Kirchentag. Das ist
ermutigend, unabhängig von Klagen über sinkende Besucherzahlen.
Schwieriger ist es mit der Außenwirkung der evangelischen Kirche. Ja,
in Stuttgart gab es überraschend viele knackige Diskussionen, und der
Bundespräsident legte einen furiosen Auftritt hin, als er seinen
pessimistischen Protestanten einen kraftvollen, wütenden Appell zum
Optimismus entgegenhielt. Künftige Kirchentage müssen dafür sorgen,
dass die evangelische Kirche als Massenbewegung ihr Potenzial
ausbaut, der Politik auf den Nerv zu gehen, und zwar jenseits naiver
Wunschkonzerte. Dazu muss man allerdings mutiger werden. Mehr
Außenseiter einladen, mehr Kirchengegner, Podien kontroverser
besetzen, entschlossener Streit provozieren. Der Kirchentag hält das
nicht nur aus. Er hat es nötig.

Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2621

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