Rheinische Post: Von Clausnitz ist es nicht weit bis Solingen

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von Michael Bröcker

Nein. Diese grölende Menschenmenge, die im sächsischen Clausnitz
Flüchtlinge mit Hass und Hetze („Raus hier“) begrüßte, ist nicht das
Volk. Zum Glück nicht. Deutschland ist, man darf das nicht vergessen,
in seiner großen Mehrheit ein Volk, das Schutzsuchenden mit
Solidarität, Humanität und Respekt begegnet. Was in Clausnitz
geschehen ist, ist in seiner Wirkung deshalb fatal. Es motiviert den
von Fremdenfeindlichkeit durchwirkten Bodensatz der Bevölkerung, auch
in anderen Bundesländern aktiv zu werden. Im Osten mag der rechte
Hass öfter sichtbar sein. Im Norden, Westen oder Süden der Republik
ist er deswegen nicht ausgestorben. Von Clausnitz über Bautzen bis
Solingen ist es nicht weit. Entscheidend ist daher, wie die
Gesellschaft dem alltäglichen Rassismus begegnet. Es beginnt im
Alltag, beim Gespräch in der Kantine, beim Abendessen in der Familie,
mit den Kumpels in der Kneipe. Wer den Mob mit den Worten „Ja,
aber…“ verteidigt, muss zurechtgewiesen werden. Es gibt keine
Begründung für rechtes Gedankengut. Nur mit dieser Haltung lässt sich
auch über die Begrenzung des Zuzugs, die Abschiebung von
Wirtschaftsflüchtlingen und die Grenzen der Integrationsfähigkeit
reden.

Pressekontakt:
Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2621

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