Schlechte Nachrichten vertreiben die Leser

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Herauszufinden, wie schlecht die Welt ist, ist
Masochismus. Das wollen Leser nicht und das ist auch nicht der Job
von Journalisten, sagte der dänische Fernseh-Chefredakteur Ulrik
Haagerup am letzten Tag des European Newspaper Congress im Wiener
Rathaus: „Unser Kerngeschäft ist nicht Stenographie, es gilt, die
beste Version der Wahrheit, die man erhalten kann, zu liefern.“

Kritisch zu sein „ist im Journalismus nicht das Ziel, sondern die
Methode“, sagt Haagerup. Konstruktiver Journalismus ist eine neue
Denkweise, die weltweit versucht wird und die gut funktioniert.
Haagerup meint damit nicht Nachrichten über gerettete Kätzchen, für
ihn geht es um „inspirierende Geschichten, in denen Neuem eine Chance
gegeben wird“. In seiner öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt wird
von den Redakteurinnen und Redakteuren der „konstruktive Blickwinkel“
verlangt. Wie man damit neue Leser, Hörer und Seher gewinnt, zeigte
Hagerup in Wien an zahlreichen Beispielen. Mehr dazu im Buch
„Construcive News“ von Ulrik Haagerup, das Ende Mai im Verlag
Oberauer erscheint.

Den Journalismus keinesfalls neu erfinden will Michael
Fleischhacker, seit einem Jahr mit dem Aufbau von NNZ.at betraut. Ein
ausschließlich digitales Bezahl- und Abo-Produkt, mit dem die „Neue
Zürcher Zeitung“ sprachgeographisch expandieren will. „Es ist
wirklich brutal neben Gratisprodukten zu bestehen, es tut aber gut“,
sagt Fleischhacker: „Wir müssen andere Geschichten schreiben und in
einer Art, wie die anderen nicht schreiben.“ Der Nachrichtenteil ist
knapp, immer gleich aussehend und auf sechs Punkte reduziert. Für die
User attraktiv und Abo-bringend sind die Themen, Phänomene genannt.
Dazu kommen Meinung und der Club.

NZZ.at bezeichnete Michael Fleischhacker beim Newspaper-Congress
als „offene Versuchsanstalt für digitale Produkte, die sich einem
Bezahlmodell verschreiben“. Das Abo-Modell ist streng, Inhalte können
dennoch geteilt werden. Die Zeit sei zu kurz, um den finanziellen
Erfolg zu zeigen. Geplant sei die Umkehr des bisherigen Erlösmodells:
„Zwei Drittel aus Abos, ein Drittel aus Werbung.“ Ein neuer Weg wird
auch bei den Anzeigen gegangen: „Wir haben ein einziges Werbeprodukt
in Tagespräsenz.“ Neu ist auch die Rolle der 15 Redakteurinnen und
Redakteure: „Wir sehen uns als diskussionsleitende Kuratoren mit
einem sehr spezifischen Publikum“, sagt Fleischhacker. Der Kern der
neuen publizistischen Idee ist laut Fleischhacker “ in einem
möglichst engen Kontakt mit zahlenden Usern zu stehen“. Die Redaktion
bestehe überwiegend aus Digital Natives, doch die Generation der
Digital Producer gebe es noch nicht. NZZ.at kommt entgegen der
ursprünglichen Annahme nicht ohne Ordnung und Struktur aus. Zu den
Sozialen Medien sagt Fleischhacker: „Um ein Publikum zu erhalten ist
Facebook wichtiger als Twitter und eine Facebook-Seite ist ein gut
funktionierender Homepage-Ersatz.“ Das Format NZZ.at hat zusätzliche
arbeitsintensive Newsletter, sie würden viele User bringen.

Der European Newspaper Congress wird vom Medienfachverlag Johann
Oberauer gemeinsam mit Norbert Küpper, Zeitungsdesigner in
Deutschland, veranstaltet.

Pressekontakt:
Johann Oberauer, Tel. 0043 664 2216643

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