Schule heute: So gelingt Inklusion mit Ergotherapeuten

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Der Umbau von Regelschulen zu inklusiven Schulen
ist für Schulleitung und Lehrer oft eine Herausforderung; viele gute
Ideen und Veränderungen sind nötig, damit inklusive Schule
funktioniert. So ergänzen immer häufiger Ergotherapeuten das Team aus
Lehrern. „Wir haben von Haus aus den Blick auf Betätigung und
ermöglichen insbesondere den Kindern mit einer Behinderung, sich
schnellstmöglich selbstständig in ihrem schulischen Umfeld
zurechtzufinden.“, erklärt Anja Blum, Ergotherapeutin im DVE
(Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.).

Kommen Kinder in die Schule, ist das eine Zäsur, ein Einschnitt in
ihr bisheriges Leben. Wie verhält es sich, wenn zusätzlich Kinder mit
einer Behinderung in die Klasse aufgenommen werden? Wird dann alles
noch schwieriger? Dass dem nicht so ist, zeigen Beispiele von
inklusiven Schulen, die therapeutische Berufsgruppen wie
Ergotherapeuten fest ins Lehrerkollegium integrieren.

Ergotherapeuten klären Kinder und Lehrer auf „Unser Schwerpunkt
ist Beratung und Coaching. Werden an der Schule Kinder mit einer
Behinderung angemeldet, tauschen wir uns zu einem ganz frühen
Zeitpunkt mit den Lehrern aus. Finden heraus, ob und welches Wissen
sie im Umgang mit Kindern mit einer bestimmten Problematik haben und
wo Aufklärungsbedarf besteht.“, schildert Anja Blum eine Aufgabe von
Ergotherapeuten an inklusiven Schulen. Wissen vermitteln ist oft das
A & O, damit zum Beginn des neuen Schuljahres Souveränität und eine
freundliche Willkommensatmosphäre im Klassenzimmer herrschen. Und der
Umgang mit allen Kindern unkompliziert und natürlich ist. Denn Lehrer
in der Regelschule haben häufig keine einschlägigen Erfahrungen,
können nicht wissen, was auf sie zukommt. Was erwartet sie, wenn sie
Hemiparese hören. Oder Autismus. Oder was auch immer. Und oft haben
diese Erkrankungen unterschiedlich schwere Ausprägungen. Es gibt
nicht DEN Autisten oder DAS Kind mit Down-Syndrom. Ergotherapeuten
erlangen durch ihre Ausbildung medizinische und
sozialwissenschaftliche Kenntnisse, ebenso erlernen sie Elemente aus
der Pädagogik, Psychologie und Soziologie. „Das zentrale Ziel einer
ergotherapeutischen Behandlung ist immer, Menschen mit einer
Erkrankung oder einem Handicap, sei es zeitweilig oder dauerhaft,
einen funktionierenden Alltag zu ermöglichen. Das ist ein weiterer
Grund, warum wir Fragen der Lehrer kompetent beantworten und ihnen
vermitteln können, was Kinder mit Handicap brauchen, womit sie
vielleicht Schwierigkeiten haben werden oder eben auch nicht.“,
erklärt Anja Blum.

Gemeinsam mit den Lehrern finden sie Lösungen

Ergotherapeuten arbeiten ressourcenorientiert und im Positiven.
Heißt, sie geben den Lehrern keineswegs Ergebnisse oder
Verhaltensweisen vor. Auf Augenhöhe und durch geschickte
Fragetechniken entwickeln sie gemeinsam, basierend auf deren
vorhandenen methodischen Fähigkeiten und Wissen, mit den einzelnen
Lehrern immer wieder passende Lösungen für das Geschehen im
Klassenzimmer. Die Lehrer setzen das Ganze dann mit ihren Schülern
um, legen gemeinsam Regeln fest oder erklären beispielsweise, dass
jedes Kind, mit oder ohne Beeinträchtigung, selbst sagt, wann es
Hilfe braucht. Und dass es eben keine Hilfe möchte, wenn es nichts
sagt. Denn jedes Kind hat das Bedürfnis möglichst autark zu sein.
Aber auch integriert, akzeptiert. Und vor allem: gemocht zu werden.

Ergotherapeuten unterstützen das spielerische Integrieren aller
Kinder…

Wie es gehen kann, spielerisch Inklusion und Sympathie für den
anderen zu entwickeln, zeigt sich eben da: im Spiel. Kein Kind – und
das gilt auch für Kinder ohne Beeinträchtigung oder Behinderung –
soll die Pause alleine verbringen, wenn es das nicht möchte.
Ergotherapeuten gehen über die Hobbies und Interessen, schauen welche
Freizeitaktivitäten verbinden die Kinder. Und denken sich dann
gemeinsam mit den Lehrern für jede Hofpause beispielsweise Stationen
mit verschiedenen Spielen oder Betätigungen aus. Um Kinder mit
Handicap leicht zu integrieren, sprechen sie zuvor mit allen, machen
klar, dass zum Beispiel das autistische Kind nicht angefasst werden
möchte, was beim Fangenspielen nötig wäre. Sie erklären, warum das so
ist und überlegen gemeinsam: „Was könnte ein Zeichen sein, das
–gefangen– bedeutet?“ Auch begleiten entweder Ergotherapeuten oder
ein Lehrer die Pause, leiten die Kinder zu der von ihnen gewünschten
Station. So bleibt kein Kind am Rande und die erlernte Rücksichtnahme
und Empathie für andere überträgt sich – in den Unterricht und
selbstverständlich auch nachhause.

… und arbeiten Hand in Hand mit Lehrern für individuelles Lernen

Das Kerngeschehen in der Schule ist das Lernen. Damit die Kinder
ohne Behinderung nicht gebremst werden, die Kinder mit einer
geistigen oder motorischen Beeinträchtigung aber ebenfalls vom
Unterricht profitieren, sind Anpassungen nötig. Ergotherapeuten wie
Frau Blum erarbeiten gemeinsam mit den Lehrern
Problemlösungsstrategien, bearbeiten zusammen mit ihm
Aufgabenstellungen, entwickeln gemeinsam Ideen. Zum Beispiel Text
durch Zeichen zu ersetzen, die Schwierigkeit oder den Gebrauch von
Hilfsmitteln wie Lexika und anderen Recherchemöglichkeiten zu
reduzieren. So lernen alle im selben Themenfeld, jedoch mit
unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Auch im Unterricht sind
Ergotherapeuten dabei und schauen ganz genau, wie die Kinder
arbeiten. Sehen so sehr schnell, welches Kind Probleme hat.
Vielleicht bei der Konzentration, beim Arbeitstempo, beim
Arbeitsverhalten. Und gehen dann in die weitere Analyse,
dokumentieren: Wie lange und bei welchen Arbeitstypen arbeitet das
Kind konzentriert. Fängt es nicht an, macht es ab einem bestimmten
Punkt nicht weiter, machen ihm Aufgaben Probleme, bei denen es viel
lesen muss oder rechnen? Nur die detailgenaue Aufschlüsselung der
Schwierigkeiten lässt eine individuelle Lösung, die in Absprache oder
gemeinsam mit den Lehrern ausgearbeitet wird, zu. Und sorgt dafür,
dass keine unnötige Kapazität der Lehrer abgezogen wird, sondern sie
sich gleichermaßen allen Kindern und dem Lernfortschritt der Klasse
widmen können.

Informationsmaterial zur Ergotherapie erhalten Interessierte bei
den Ergotherapeuten vor Ort; diese sind über die Therapeutensuche im
Navigationspunkt „Service“ des DVE (Deutscher Verband der
Ergotherapeuten e.V.) auf www.dve.info zu finden. Zur Kampagne, die
das breite Spektrum von Ergotherapeuten zeigt, geht es hier entlang:
www.volle-kraft-im-leben.de

Pressekontakt:
Angelika Reinecke, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit des DVE e.V.
Telefon: 033203 – 80026, E-Mail: a.reinecke@dve.info

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