Schwäbische Zeitung: Abwarten und helfen – Kommentar zu Griechenland

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Die Lage ist ernst. Sie ist zu ernst, um solch
billigen Wahlkampf zu machen wie Gregor Gysi. Der Chef der
Linken-Fraktion wirft den Europäern und speziell Angela Merkel im
Ernst vor, sie wollten am Ende nur eine linke Regierung in Athen
stürzen. Man kann vielleicht darüber streiten, ob Europa zu jedem
Zeitpunkt richtig gehandelt hat. Ob Merkel beherzter und früher hätte
eingreifen müssen. Aber dass die Schuld am griechischen Drama nicht
in Brüssel und nicht in Berlin liegt, sondern dass Griechenland sich
nicht an die eingegangenen Verpflichtungen gehalten hat, das ist nun
wirklich unstrittig – und überdies ist es blamabel, wie wenig die
neue griechische Regierung bisher getan hat, um den Zustand zu
verbessern.

Doch ein Land ist nicht deshalb von der europäischen Karte
verschwunden, weil es bankrott ist. Im Gegenteil. Merkels Ansprache
an die Griechen, die Versicherung, dass die Tür offen bleibt, ist
wichtig. Denn natürlich wird in ganz Europa schon über die Zeit nach
dem Referendum nachgedacht. Sicher wäre es den Deutschen am liebsten,
sie könnten dann mit einer neuen griechischen Regierung verhandeln.
Merkel und Gabriel wollen abwarten. Etwas anderes bleibt ihnen auch
nicht übrig.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
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