Schwäbische Zeitung: Am Problem vorbei – Kommentar zur Atomkraft

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Ntürlich wirkt es wie ein Dolchstoß für
Deutschland, wenn in Brüssel ein Papier zur Förderung der Atomenergie
in der Europäischen Union kursiert. Hierzulande müht man sich, die
Energiewende ohne gröbere Schäden für Wirtschaft und Verbraucher
voranzutreiben, in anderen EU-Staaten hingegen hat man sich mit der
Atomkraft, selbst aus Uralt-Reaktoren, gut eingerichtet. Da mag die
EU-Kommission beschwichtigen, dass der Entwurf lediglich eine
Arbeitsgrundlage sei, aber er zeigt doch, wohin die Reise gehen
könnte.

Offensichtlich sucht man in Brüssel nach Wegen, wie sowohl der
Ausstoß von Kohlendioxid verringert werden könnte – als auch die
Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus unliebsamen
Lieferantenstaaten wie Russland. Dabei auf Atomkraft zu setzen, liegt
nahe, ist sie doch CO2-neutral, scheinbar günstig und jederzeit
verfügbar. Doch ganz abgesehen von den Sicherheitsrisiken, die mit
dieser Technologie verbunden werden: Für das eigentliche Problem, die
Endlagerung des Atommülls, wurde bislang keine überzeugende Lösung
gefunden. Deshalb regt man sich in Deutschland zurecht über die
Gedankenspiele aus Brüssel auf. Statt über flexible
Miniatomkraftwerke zu sinnieren, wäre es sinnvoller, sich über
nationale Grenzen hinweg mit dem Entsorgungsproblem zu befassen.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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