Schwäbische Zeitung: Auch die Russen haben uns befreit – Leitartikel

Abgelegt unter: Allgemein |





Dieser Krieg, der heute vor 70 Jahren zu Ende
ging, hat alles verändert: Grenzen, Weltanschauungen, vor allem aber
die Menschen, die ihn erlitten haben. Ob wir uns dessen bewusst sind
oder nicht, beeinflusst dieser Krieg unsere Leben bis heute. Nicht
zuletzt durch die Geschichten, die die Eltern und die Großeltern
erzählt haben, ihre Erinnerungen an Mangel, Leid und Tod.

Durch die Erzählungen aus diesem Krieg verändert sich die Sicht
auf die Welt. 70 Jahre nach Kriegsende entsteht eine
Nachdenklichkeit, die sich vielleicht nur die Nachgeborenen leisten
können. Selbst Russlands Präsident Wladimir Putin kommt ins Grübeln
und erklärt, er könne bis heute nicht begreifen, warum seine Mutter
und sein Vater, die nahezu alles durch die Deutschen verloren, nie
Hass auf die Deutschen empfunden hätten.

Bis zu 30 Millionen Sowjetbürger starben im Zweiten Weltkrieg. 30
Millionen, die durch einen deutschen Krieg umkamen. Unter ihnen
sollen bis zu 20 Millionen Soldaten der Roten Armee sein, die fielen,
als sie ihr Land verteidigten und Deutschland befreiten.

Beim Erinnern an jene, die Deutschland und Europa vom
Nationalsozialismus erlöst und den Krieg beendet haben, wurde im
Westen über Jahrzehnte zuvorderst der westlichen Alliierten gedacht.
Der Blutzoll der Sowjetunion wurde relativiert, weil die Rote Armee,
die Deutschland befreite, ja sogleich eine Diktatur in der späteren
DDR errichtete. Ganz so, als sei das Leben eines bei der Befreiung
von Auschwitz oder Berlin gefallenen Soldaten der Roten Armee weniger
wert, weil er ein Kommunist war oder weil sein oberster Befehlshaber
Josef Stalin hieß.

An diesen Tagen um den 8. Mai herum machen der Bundesaußenminister
in Wolgograd und die Bundeskanzlerin in Moskau deutlich, dass man in
Deutschland wohl zu trennen weiß: die Empörung über die russische
Aggression in der Ukraine ist berechtigt. Und der Respekt vor dem
Beitrag der Sowjetunion bei der Beendigung des Nationalsozialismus
ist eine Pflicht.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.



Blog Top Liste - by TopBlogs.de Blogverzeichnis Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de