Schwäbische Zeitung: Auf wackligem Fundament – Leitartikel zu Geburtenzahlen

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In Deutschland werden wieder mehr Babys geboren
– die Nachricht klingt gut. Von einem Boom zu sprechen, ist aber
fahrlässig, weil dadurch die Tatsache verschleiert wird, dass
Deutschland weiterhin vor dramatischen Herausforderung steht
hinsichtlich einer alternden und schrumpfenden Bevölkerung.

Möglicherweise ist Deutschland etwas familienfreundlicher
geworden, inklusive verbesserter Kinderbetreuung und wirtschaftlicher
Sicherheit. Dem stehen aber alarmierende Fakten gegenüber: Noch immer
sterben mehr Menschen als geboren werden. Aktuell ist jeder Fünfte
über 65 Jahre, langfristig wird es jeder Dritte sein. Der
Aufwärtstrend steht zudem auf wackeligem Fundament, da Frauen mit
ausländischer Staatsangehörigkeit hierzulande deutlich mehr Kinder
zur Welt bringen als solche mit deutscher. Und: Um den
Bevölkerungsschwund auszugleichen, müsste Deutschland bis zu 500000
Einwanderer aufnehmen – jährlich.

Ein unrealistisches Szenario, wie die Flüchtlingskrise zeigt.
Schon jetzt sorgen sich viele Menschen darum, ob die Neuankömmlinge
in Arbeitsmarkt und Gesellschaft integriert werden können. Und
künftig treffen junge Einwanderer mit einem anderen religiösen und
kulturellen Hintergrund auf eine größer werdende Zahl älterer
Menschen, die oft ängstlicher und wenig flexibel auf Veränderungen
reagieren.

Zuwanderung hatte in Deutschland immer einen ökonomischen oder
humanitären Hintergrund, siehe Gastarbeiter und Flüchtlinge. Sie
verlief aber stets auch nach dem Zufallsprinzip. Doch kann eine
schrumpfende Bevölkerung langfristig ungeplante Einwanderung
verkraften? Oder braucht es – humanitäre Aspekte ausgenommen – auch
qualitative Koordinaten? Ein modernes Zuwanderungsrecht wäre ein
Fortschritt, würde aber nicht alle Probleme lösen. Denn eine
Gesellschaft, der es an jungen, produktiven Menschen mangelt, kann
nicht weiter in der Vorstellung leben, ihren Wohlstand ungezügelt zu
mehren. Auch hier braucht es Konzepte abseits tagespolitischer
Kurzatmigkeit.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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