Schwäbische Zeitung: „Aufarbeitung bleibt wichtig“ – Kommentar zum Auschwitz-Prozess

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Der Lüneburger Auschwitz-Prozess zeigt: Die
Aufarbeitung der NS-Verbrechen ist auch heute noch dringend nötig.
Richter Kompisch hat recht. Die Nazis machten das Töten zur
kollektiven Routine, um den Einzelnen zu enthemmen und ihn glauben zu
machen, ihn treffe keine persönliche Schuld.

Diese Erkenntnis ist wichtig, weil sie ein Schlaglicht auf den
Umgang gar nicht so weniger Deutscher mit dem NS-Unrecht wirft. Die
Nazis hätten das Volk „verführt“, hört man oft – und kann den
Eindruck bekommen, nur Hitler, Himmler und ein paar andere seien
Nazis gewesen, der Rest nur fehlgeleitete Mitläufer. Man verschanzt
sich hinter dem Kollektiv, das verführt worden sei. Individuelle
Schuld wird auch hier verneint.

Dass die Mehrheit den Nazis zumindest kritiklos, wenn nicht sogar
begeistert gegenüberstand, fällt unter den Tisch. Die NS-Führung war
Teil des Volkes, das zeigt auch deren überwiegend bürgerliche
Herkunft. Sie überfiel Deutschland nicht 1933 und unterjochte das
wehrlose Land. Es ist gut, dass die Justiz heute durchgreift. Denn
die NS-Barbarei wäre ohne „Rädchen im Getriebe“ wie Gröning unmöglich
gewesen.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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