Schwäbische Zeitung: Das Gift der Unheilsbringer – Leitartikel zu Pegida

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Schon der Name ist erstunken und erlogen: Die
selbsternannten „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des
Abendlandes“ sind keine Patrioten, sie sind tumbe Nationalisten.

Sie sind keine Europäer, sondern Europafeinde. Sie fürchten in
Wahrheit keine Islamisierung, sondern sie sind religionsfern. Und von
den Errungenschaften des (christlichen) Abendlandes – das sind nicht
zuletzt Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – ist ihr Gedankengut
weiter entfernt als der Mond von der Erde. Kurz: Die Kerntruppe von
„Pegida“ ist ein rechtsextremistischer Mob, welcher seit einem Jahr
sein Unwesen treiben darf.

Dieses Unwesen ist weniger gekennzeichnet durch Hetze und
Hass-parolen gegen Flüchtlinge bei den Aufmärschen, auch nicht durch
das Mitführen von Galgen, die für Spitzenpolitiker bestimmt sein
sollen. So oder so ähnlich haben sich Rechtsextremisten schon immer
artikuliert – und einige Tausend von ihnen muss eine demokratische
Gesellschaft von 80 Millionen Menschen aushalten. Nein: Der Kern des
Pegida-Unwesens liegt in einer schleichenden Vergiftung einer nicht
genau zu beziffernden Zahl der Demokraten. Das Gift bewirkt eine Art
klammheimliches Verständnis für diejenigen, die sich angeblich doch
nur wehren gegen alles, was vielen Bürgern Ängste und Sorgen
bereitet. Übersehen und überhört wird dabei zweierlei: Der
Pegida-Kerntruppe geht es gar nicht um diese oder jene
Flüchtlingspolitik, es geht ihr um die Etablierung
rechtsextremistischer Programmatik. Und: Niemals werden solche Leute
Problemlösungen anbieten können, die mit der Verfassung und den
Grundwerten des Landes in Einklang zu bringen sind. Sie sind keine
Heils-, sondern ganz gewiss Unheilsbringer.

Es mag unbehaglich klingen, aber wenn eine Gesellschaft einen Berg
von Problemen vor sich sieht, dann ist sie gut beraten, jenen
Politikern zu trauen, die keine Hauruck-Lösungen parat haben. Deren
wichtigste Aufgabe ist es , die Sorgen und Ängste der Menschen ernst
zu nehmen und zu verhindern, dass daraus Hass und Hetze werden.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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